Zwingender Angehörigenschutz im Erbrecht - 10.1628/rabelsz-2020-0092 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Reinhard Zimmermann

Zwingender Angehörigenschutz im Erbrecht

Entwicklungslinien jenseits der westeuropäischen Kodifikationen

Jahrgang 85 () / Heft 1, S. 1-75 (75)
Publiziert 20.01.2021

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Im Anschluss an einen früheren Beitrag über die Entwicklung des Pflichtteils- oder Noterbenrechts wird hier die Entwicklung des zwingenden Angehörigenschutzes für Rechtsordnungen jenseits der westeuropäischen Kodifikationen verfolgt: in den postsozialistischen Ländern Zentral- und Osteuropas, den nordischen Staaten sowie den süd- und zentralamerikanischen Jurisdiktionen, und schließlich in den Ländern ohne Zivilrechtskodifikation, also dem englischen Recht und seinen Tochterrechten. Es bietet sich ein buntes Bild von unterschiedlichen Lösungsansätzen: insbesondere solchen, die mit fixen Anteilen für Abkömmlinge und den überlebenden Ehegatten operieren, die einen bedarfsabhängigen Quotenpflichtteil anerkennen, die sich nur am Bedarf orientieren, oder die die auszuwerfende Summe in das Ermessen des Gerichts stellen. Insgesamt bestätigt sich eine Beobachtung aus dem früheren Beitrag: die Tendenz zu einer Flexibilisierung in Jurisdiktionen, die traditionell mit festen Quoten arbeiten. Die family provision neuseeländischer Provenienz, die eine extreme Flexibilität gewährleistet, bietet jedoch kein nachahmenswertes Modell. Damit fragt sich, ob nicht das konkrete Unterhaltsbedürfnis einen geeigneten Maßstab bildet, um Rechtssicherheit und Einzelfallgerechtigkeit zu einem Ausgleich zu bringen. ---------- Mandatory Family Protection in the Law of Succession. – Following on from an earlier contribution devoted to the development of the notions of forced heirship and compulsory portion, this contribution pursues the development of mandatory family protection for legal systems beyond the West European codifications: in postsocialist countries of Central and Eastern Europe, in Nordic states, in South and Central American codifications, and in countries without a code of private law, i.e. England and the legal systems originally based on English law. An interesting panorama of different solutions thus presents itself, in particular legal systems operating with fixed shares in the estate, those making available a fixed share only in cases of need, those awarding a sum substituting for maintenance claims, or those turning the claim of the closest relatives into a discretionary remedy. Overall, an observation made in the previous essay is confirmed: a tendency towards achieving greater flexibility in legal systems traditionally operating with fixed shares. The concept of family provision originating in New Zealand, while providing a maximum degree of flexibility, cannot however serve as a model to be followed. The question thus arises whether maintenance needs are the criterion balancing legal certainty and individual justice in the comparatively best manner.
Personen

Reinhard Zimmermann ist Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht und Professor an der Bucerius Law School, Hamburg.
https://orcid.org/0000-0003-0348-7929