Das Recht der Netzwerkgesellschaft 978-3-16-152763-0 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Karl-Heinz Ladeur

Das Recht der Netzwerkgesellschaft

Ausgewählte Aufsätze
Hrsg. v. Thomas Vesting u. Ino Augsberg

2013. IX, 734 Seiten.
139,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Leinen
ISBN 978-3-16-152763-0
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Die Selbsttransformation der Gesellschaft in den westlichen Ländern hat seit den späten 1960er Jahren eine »Gesellschaft der Netzwerke« entstehen lassen, in der die klassische Idee statisch-vertikaler Begründungsverhältnisse durch vielfältige dynamisch-horizontale Verknüpfungen ergänzt und ersetzt worden ist. Auf diese gewandelte gesellschaftliche Situation muss sich das Recht einstellen.
»Nach der »Gesellschaft der Individuen« die »Gesellschaft der Organisationen«, nach der »Gesellschaft der Organisationen« die »Gesellschaft der Netzwerke"!« So beschreibt Karl-Heinz Ladeur schlagwortartig die Selbsttransformation der Gesellschaft in den westlichen Ländern der letzten hundertfünfzig Jahre. Der Untergang eines von monarchischer Repräsentationskraft bestimmten Staates führte auch in den kontinentaleuropäischen Rechtssystemen seit dem späten 19. Jahrhundert zu einer stärkeren Öffnung für eine Welt aus Relationen. Die überkommenen subjektphilosophischen Transzendentalfiguren und vertikalen Begründungsverhältnisse werden durch horizontale Beziehungen ergänzt und ersetzt, an denen zunächst primär Organisationen und Gruppen und heute mehr und mehr sich fortlaufend verändernde Netzwerke beteiligt sind. Auf diese gewandelte gesellschaftliche Situation muss sich das Recht einstellen. Es muss dazu die veränderte Rolle der Ungewissheit verarbeiten, die nicht länger im Sinne klassischer Rationalitätsvorstellungen durch die Gewinnung eines festen Grundes weitgehend beseitigt oder zumindest verdrängt werden kann. Gefordert ist die Anpassung des modernen Rechts an eine Netzwerklogik der relationalen Rationalität, die in unterschiedlichen Feldern – Rechtstheorie, Rechtsmethodologie, Staatstheorie, Verfassungstheorie, Verwaltungsrecht usw. – zu operationalisieren ist.
Inhaltsübersicht
Einleitung der Herausgeber: »Das Recht der Netzwerkgesellschaft«. Zu Karl-Heinz Ladeurs Rechts- und Gesellschaftstheorie

I. Rechtstheorie
Der »Eigenwert« des Rechts – die Selbstorganisationsfähigkeit der Gesellschaft und die relationale Rationalität des Rechts – »Abwägung« – ein neues Rechtsparadigma? Von der Einheit der Rechtsordnung zur Pluralität der Rechtsdiskurse – Postmoderne Verfassungstheorie – Das selbstreferenzielle Kamel. Die Emergenz des modernen autonomen Rechts

II. Rechtsmethodologie
Computerkultur und Evolution der Methodendiskussion in der Rechtswissenschaft. Zur Theorie rechtlichen Entscheidens in komplexen Handlungsfeldern – Gesetzesinterpretation, »Richterrecht« und Konventionsbildung in kognitivistischer Perspektive. Handeln unter Ungewißheitsbedingungen und richterliches Entscheiden – Die rechtswissenschaftliche Methodendiskussion und die Bewältigung des gesellschaftlichen Wandels. Zugleich ein Beitrag zur Bedeutung der ökonomischen Analyse des Rechts – Methodology and European Law – Can Methodology Change so as to Cope with the Multiplicity of the Law? III. Netzwerkkonzeptionen im Recht Sprachformation und Rechtsparadigma. Eine modelltheoretische Skizze zum Strukturwandel des deutschen Verwaltungsrechts im 20. Jahrhundert – Von der Verwaltungshierarchie zum administrativen Netzwerk – Towards a Legal Concept of the Network in European Standard-Setting – Die Regulierung von Selbstregulierung und die Notwendigkeit der Herausbildung einer »Logik der Netzwerke«. Rechtliche Steuerung und die beschleunigte Selbsttransformation der postmodernen Gesellschaft – Der Staat der »Gesellschaft der Netzwerke«. Zur Fortentwicklung des Paradigmas des »Gewährleistungsstaats« – Die Netzwerke des Rechts

IV. Umgang mit Ungewissheit
Die rechtliche Steuerung von Entwicklungsrisiken zwischen zivilrechtlicher Produkthaftung und administrativer Sicherheitskontrolle. Prozeduralisierung von Sicherheitspflichten in vergleichender Perspektive – Coping with Uncertainty: Ecological Risks and the Proceduralization of Environmental Law – Kommunikation über Risiken im Rechtssystem. Das Beispiel Nanotechnologie

V. Grundrechtstheorie
Helmut Ridders Konzeption der Meinungs- und Pressefreiheit in der Demokratie – Die objektiv-rechtliche Dimension der wirtschaftlichen Grundrechte – Relativierung oder Abstützung der subjektiven Freiheitsrechte? – Die Beobachtung der kollektiven Dimension der Grundrechte durch eine liberale Grundrechtstheorie. Zur Verteidigung der Dominanz der abwehrrechtlichen Dimension der Grundrechte

VI. Transnationalisierung des Rechts
Supra- und transnationale Tendenzen in der Europäisierung des Verwaltungsrechts – eine Skizze – Towards a Legal Theory of Supranationality – The Viability of the Network Concept – Globalization and the Conversion of Democracy to Polycentric Networks: Can Democracy Survive the End of the Nation-State? – »We, the European People…« – Relâche? – Die transnationale Expansion staatlicher Grundrechte. Zur Konstitutionalisierung globaler Privatrechtsregimes (zusammen mit Lars Viellechner) – The Emergence of Global Administrative Law and Transnational Regulation Nachweise – Personenregister – Sachregister
Personen

Karl-Heinz Ladeur ist Professor f. Öffentliches Recht an den Universitäten Bremen und Hamburg sowie am Europäischen Hochschulinstitut, Florenz.
https://orcid.org/0000-0002-9666-7779

Ino Augsberg ist Inhaber des Lehrstuhls für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Thomas Vesting ist Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Recht und Theorie der Medien an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Lo Stato — 2 (2014), S. 295–298 (Federico Lijoi)
In: Juristenzeitung — 2014, 338–340 (Claudio Franzius)