Der Band untersucht rechtsvergleichend die Stellung evangelisch-reformierter Kirchen im polnischen und deutschen Religionsverfassungsrecht - ihre Verfassung, Diakonie und Digitalisierung - vor dem Hintergrund gesellschaftlichen Wandels nach der Covid-19-Pandemie.
Der vorliegende Sammelband widmet sich der Stellung kleinerer Religionsgemeinschaften im polnischen und deutschen Religionsverfassungsrecht am Beispiel der evangelisch-reformierten Kirchen. Er entstand im Rahmen eines deutsch-polnischen Forschungsprojekts, das die Position dieser auf die helvetische Reformation zurückgehenden Kirchen in beiden Rechtsordnungen vergleichend untersucht. Während die Evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland als öffentlich-rechtliche Körperschaft Teil der EKD ist, zählt die Evangelisch-Reformierte Kirche in Polen (poln.
Kościół Ewangelicko-Reformowany w RP) zu den wenigen Religionsgemeinschaften, die über eine eigene gesetzliche Grundlage verfügen. Der Band behandelt zunächst Grundfragen des polnischen und des deutschen Religionsverfassungsrechts, bevor er sich dem Kirchenrecht der evangelisch-reformierten Kirchen in beiden Ländern zuwendet. Im Mittelpunkt stehen dabei die innere Verfassung dieser Kirchen, die Organisation ihrer diakonischen Arbeit sowie die fortschreitende Digitalisierung kirchlicher Tätigkeit. Ein eigener Beitrag beleuchtet die Gemeinde Zelów und die Nachfahren der Böhmischen Brüder und veranschaulicht damit den besonderen historischen Charakter der Evangelisch-reformierten Kirche in Polen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Wandel, den kleinere Kirchen während und nach der Covid-19-Pandemie durchlaufen haben, sowie den daraus resultierenden neuen Herausforderungen für ihr religionsverfassungsrechtliches Umfeld. Die Beiträge zeigen, wie rechtsvergleichende Forschung im Bereich des Religionsverfassungsrechts und Kirchenrechts hilft, strukturelle Anpassungsstrategien kleinerer Religionsgemeinschaften sichtbar zu machen. Der Band richtet sich an Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen des Religionsverfassungsrechts, an Theolog*innen sowie an alle, die sich für die Zukunft religiöser Minderheiten in Mitteleuropa interessieren. Entstanden ist ein interdisziplinärer und rechtsvergleichender Beitrag zur aktuellen Debatte über den Wandel institutionalisierter Religion in Deutschland und Polen.
Inhaltsübersicht:
Bernard Łukańko: Die rechtliche Stellung der Evangelisch-Reformierten Kirche in der Republik Polen im Lichte des Religionsverfassungsrechts. Eine Analyse der Verfassungsbestimmungen und des Gesetzes vom 13. Mai 1994 über das Verhältnis des Staates zur Evangelisch-Reformierten Kirche in der Republik Polen -
Peter Unruh: Ein Recht für alle Religionsgemeinschaften. Grundlagen und Grundzüge des deutschen Religionsverfassungsrechts -
Grażyna Zboralska: Das Kirchenrecht der Evangelisch-Reformierten Kirche in der Republik Polen -
Arno Schilberg: Die Lippische Landeskirche. Geschichte, reformiertes Kirchenrecht, Strukturen und aktuelle Entwicklungen -
Hendrik Munsonius: Erwägungen zu den Herausforderungen der kirchlichen Arbeit in der digitalisierten Gesellschaft -
Anika Christina Albert: Vielfältig teilhaben. Zur Rolle der Diakonie in einer alternden Gesellschaft -
Bernard Łukańko: Diakonie der Evangelisch-Reformierten Kirche in der Republik Polen. Analyse der institutionellen Aspekte der karitativen Tätigkeit und der Funktionsweise -
Joanna Szczepankiewicz-Battek: Kleine Kirche, besondere Identität: Die Evangelisch-Reformierte Kirche in Polen rechtshistorisch betrachtet am Beispiel der Gemeinde Zelów