Fasting, Bodily Care, and the Widows of 1 Timothy 5:3–15 - 10.1628/ec-2020-0016 - Mohr Siebeck
Theology

Lyn M. Kidson

Fasting, Bodily Care, and the Widows of 1 Timothy 5:3–15

Section: Articles
Early Christianity (EC)

Volume 11 () / Issue 2, pp. 191-205 (15)
Published 14.07.2020

10,50 € including VAT
article PDF
In seinem Aufsatz »Medical Imagery in the Pastoral Epistels« vertritt Abraham Malherbe die These, dass medizinische Terminologie in den Pastoralbriefen als eine konventionelle Form von Polemik zur Charakterisierung der Gegner verwendet wurde. Malherbes Identifikation dieser medizinischen Konzeption bildet den Ausgangspunkt für die Verhältnisbestimmung zwischen der Forderung der Gegner, nicht zu heiraten und sich bestimmter Speisen zu enthalten (1 Tim 4,2–3) und der Anweisung des »Paulus« an jüngere »Witwen« zu heiraten (5,3–15). Die folgende Untersuchung geht davon aus, dass der Autor des 1. Timotheusbriefes bestimmte Frauen und Männer davon abbringen will, »anders zu lehren« (1,3–4): sie sollen konkret von ihrem Heiratsverbot Abstand nehmen. Vor diesem Hintergrund wird der Zusammenhang zwischen Fasten und sexueller Enthaltsamkeit in Texten zeitgenössischer Ärzte, bei frühchristlichen Schriftstellern sowie Philo von Alexandrien reflektiert und daraus die These abgeleitet, dass die »andere Lehre« auf die Kontrolle des Heiratswunsches durch eine bestimmte Ernährung ausgerichtet ist. Es wird gezeigt, dass zeitgenössische Mediziner skeptisch waren, dass Frauen ihr sexuelles Begehren kontrollieren könnten, und zwar wegen ihrer körperlichen Schwäche. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass die Argumentation den Opponenten gegenüber nicht einfach nur konventionell ist, sondern ein rhetorischer Schachzug gegen ihren medizinischen Rat, der zur Einhaltung des Heiratsverbots führen soll.
Authors/Editors

Lyn M. Kidson Born 1964; 1993 BA; 2004 MDiv; 2013 MA; 2018 PhD in Ancient History; since 2018 Lecturer in New Testament, Alphacrucis College, Sydney.
https://orcid.org/0000-0002-4174-2567