Aberglauben oder Individualität? 978-3-16-150745-8 - Mohr Siebeck
Altertumswissenschaft

Jörg Rüpke

Aberglauben oder Individualität?

Religiöse Abweichung im römischen Reich

2011. X, 185 Seiten.
24,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-150745-8
lieferbar
In Tempeln, vor Götterbildern oder in Träumen haben antike Menschen direkten Zugang zu ihren Göttern. Wie lässt sich religiöses Verhalten durch andere dann noch als »richtig« beurteilen? Jörg Rüpke geht antiken Polemiken und den durch sie beeinflussten religiösen Entscheidungen und Handlungen nach. Hinter vielen Ausgrenzungen entdeckt er so eine neue Dimension religiöser Individualität in der römischen Kaiserzeit.
Die jüngeren Untersuchungen zur Devianz in der griechisch-römischen Antike haben sich auf den polemischen Gebrauch des Wortes superstitio konzentriert, das in unterschiedlichen Kontexten zur Ausgrenzung sozialer Gruppen, ethnischer Minoritäten, von Frauen oder bestimmten religiösen Praktiken verwendet wird. Jörg Rüpke unternimmt den Versuch, daraus auch Informationen über Bandbreiten und Intensivierungsformen religiöser Praktiken zu gewinnen: Was sind die Grundannahmen der normativen Äußerungen über Religion? Die Annahme authentischer und individuell verbindlicher religiöser Kommunikation von einzelnen mit Göttern ist ein von Cicero bis in die spätantiken Gesetze weithin geteilter Ausgangspunkt, der die Normierung religiösen Verhaltens vor große Schwierigkeiten stellt. Der Umgang mit religiösen Entscheidungen einzelner über Sakralisierung von Gegenständen oder Kultstätten erfordert so oft umständliche Konstruktionen, um die Verbindlichkeit für Dritte einzuschränken. Vor diesem Hintergrund ist es bezeichnend, dass sich auch die Polemiken auf bestimmte Felder konzentrieren, die sich am besten mit dem Begriff individueller »Erfahrung« beschreiben lassen. Hier spielt die Divination – der Zugang zu göttlichem Wissen oder, anders ausgedrückt, göttliche Offenbarung – eine wichtige Rolle. Große Bedeutung besitzt auch die Begegnung mit Götterbildern, zumal in Tempeln. Die Untersuchung polemischer Äußerungen eröffnet hier einen Zugang zur Konzeptualisierung religiöser Erfahrung, unbeschadet der normativen Wertung, die sich sofort anschließt.
Personen

Jörg Rüpke Geboren 1962; 1995–99 Professor für Klassische Philologie an der Universität Potsdam; 1999–2008 Professor für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Erfurt; seit 2008 Fellow am Max-Weber-Kolleg und Sprecher der Kollegforschergruppen »Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive« (2008–18) und »Religion und Urbanität: Wechselseitige Formationen« (2018–22).
https://orcid.org/0000-0002-4173-9587

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: idw online — http://idw-online.de/pages/de/news424729 (05/2011) (Carmen Voigt)
In: Lesefreunde 24 — http://lesefreunde.homepage24.de/Weitere-Religion (06/2011)
In: Journal for the Study of the NT — 35.5. (2013), S. 127 (Peter Oakes)
In: Seminarios Complutenses de Derecho Romano — 2013, 434–443 (Rosa Mentxaka)