Geschichte

Die Geschichte des Verlages

J.C.B. Mohr

1801–1878: Die doppelten Wurzeln – Universitätsverlage in Heidelberg und Tübingen

J.C.B. Mohr in Heidelberg
Am 1. August 1801 gründete August Hermann (1776–1803) unter seinem Namen eine Buchhandlung in Frankfurt am Main. Jacob Christian Benjamin Mohr (1778–1854) – dessen Name J.C.B. Mohr bis 1996 die Bücher prägen sollte – erwarb 1804 die Hermann’sche Buchhandlung und führte sie unter seinem Namen als Unternehmen mit den Betriebsbereichen Buchhandlung, Verlag und Druckerei fort.

1805 gründete er in Heidelberg auf Einladung der dortigen Universität eine Akademische Buchhandlung, die er nacheinander mit den beiden Teilhabern Johann Georg Zimmer (1776–1853) und Christian Friedrich Winter (1773–1858), ab 1822 dann allein leitete. Die Frankfurter Filiale löste Mohr 1810/11 auf.

In dieser Zeit (1818) wurde eine der ersten wissenschaftlichen Zeitschriften, das Archiv für die civilistische Praxis (AcP) ins Programm genommen. Unter dem Namen Mohr & Zimmer wurden beispielsweise die Schriften der Heidelberger Romantiker wie Des Knaben Wunderhorn verlegt, dessen Titelbilder, ein Füllhorn oder ein kleiner Postillion, sein Horn keck über dem Kopfe schwenkend, bis in die 1970er Jahre immer wieder als Zeichen des Verlages auftauchten.

J.C.B. Mohrs Sohn, Ernst Christian Mohr (1811–1890), übernahm 1842 die Buchhandlung und den Verlag unter der Firma J.C.B. Mohr und führte sie auf eigene Rechnung weiter. Sein Bruder, Georg Mohr, führte die 1845 in Heidelberg gegründete Buchdruckerei fort. In die Zeit von Ernst Christian Mohr (1844) fällt die Gründung der Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft (heute Journal of Institutional and Theoretical Economics).

Ab 1856 bis 1878 leitete Ernst Christian gemeinsam mit seinem Bruder Carl Mohr (1817–1897) den Verlag. Das Unternehmen wurde 1878 nach Tübingen an die Inhaber der dortigen H. Lauppʼschen Buchhandlung verkauft.

Die H. Lauppʼsche Buchhandlung in Tübingen
(Jakob) Heinrich Laupp (1780–1836) war Lehrling und Angestellter bei Johann Friedrich Cotta in Tübingen und ab 1810 Geschäftsführer der Cottaʼschen Sortimentsbuchhandlung, die in Tübingen verblieb, als Cotta seinen Verlag nach Stuttgart verlegte. Laupp erwarb die Buchhandlung 1816 auf eigenen Namen, die dann auch wissenschaftliche Werke, vornehmlich von Tübinger Gelehrten, verlegte. Bei seinem Tod 1836 ging die H. Lauppʼsche Buchhandlung an seine Witwe Luise Friederike Laupp (1798–1882) über.

Der Leipziger Buchhändler Hermann Siebeck (1816–1877), Schwiegersohn von Heinrich Laupp, übernahm ab 1839 die Geschäftsführung der H. Lauppʼschen Buchhandlung und wurde 1840 Gesellschafter zunächst mit Luise Laupp, ab 1847 mit deren Sohn Rudolf Laupp (1818–1866). 1866 wurde Hermann Siebeck Alleininhaber, 1873 nahm er Schwiegersohn J. Gustav Kötzle als Teilhaber auf. Er leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod 1877, danach übernahmen Paul Siebeck und J. Gustav Kötzle.

Paul Siebeck

1878–1906: Vom Universitätsverlag zum Verlag für Wissenschaften – Paul Siebeck

Die Inhaber der H. Lauppʼschen Buchhandlung, Paul Siebeck (1855–1920) und sein Schwager J. Gustav Kötzle (1840–1900), erwarben 1878 den Verlag J.C.B. Mohr. Paul Siebeck ging mit dem Verlag J.C.B. Mohr 1880 nach Freiburg, während Kötzle mit der H. Lauppʼschen Buchhandlung in Tübingen blieb. Paul Siebeck nannte seine Firma Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr, Inhaber Paul Siebeck; im Stil der Zeit verkürzte er das alsbald auf J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). Er baute den Verlag zu einem wissenschaftlichen Fachverlag aus, der schwerpunktmäßig Werke der liberalen Theologie, des Kulturprotestantismus, der südwestdeutschen Neukantianer, der Nationalökonomen um Max Weber sowie der Privat- und Staatsrechtswissenschaft veröffentlichte.

Das Zeitschriftenprogramm wurde in dieser Zeit um zwei Journale erweitert: 1886 wurde das Archiv des öffentlichen Rechts (AöR) gegründet, und 1891 kam als erste theologische Zeitschrift die Zeitschrift für Theologie und Kirche (ZThK) hinzu.

Sein Landesherr verlieh Paul Siebeck den Orden vom Zähringer Löwen, der fortan zum Wappentier und heutigen Logo avancierte. Als Mohr-Löwe schwang er eine große Fahne mit seinem Motto artibus ingenuis: den edlen Künsten – gemeint: den Wissenschaften – verpflichtet.

1895 entstand der Kontakt zu Max Weber, der zu Paul Siebecks wichtigstem Berater wurde und dessen Gesamtausgabe (MWG) noch heute einen der Eckpfeiler des Verlagsprogramms bildet.

1899 kehrte Paul Siebeck nach Tübingen zurück und leitete die Firmen Mohr und Laupp gemeinsam in Tübingen weiter bis 1920. In dieser Zeit (1909–1913) erschien das theologische Standardlexikon Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG) in erster Auflage, herausgegeben von Friedrich M. Schiele und Leopold Zscharnack.

Hans Georg Siebeck

1906–1972: Zweimal fast untergegangen und wieder aufgebaut – Oskar und Hans Georg Siebeck

Der Sohn von Paul Siebeck, Oskar Siebeck (1880–1936), trat 1906 in die väterliche Firma J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) ein und unterhielt zeitweilig (1913–1920) ein Berliner Büro des Verlages. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war der Verlag zahlreichen Einschränkungen unterworfen: Projekte mit internationalen Autoren und Themen konnten nicht weitergeführt werden, Papiermangel und Zensur schränkten die Produktion ein. Nach dem Ende des Krieges entfiel die großzügige Wissenschaftsförderung des Kaiserreiches und damit die Nachfrage nach großen Verlagsprojekten. Die anschließende Inflation entwertete die Lagerbestände.

Zwischen 1920 und 1936 leitete Oskar Siebeck gemeinsam mit seinem Bruder Werner Siebeck (1891–1934) das Unternehmen. Die Brüder konzentrieren sich auf Theologie, Philosophie, Wirtschaft und Jura. 1926 erwarben sie vom Verlag Cotta in Stuttgart die 1844 gegründete Zeitschrift Finanzarchiv (heute ausschließlich englisch: FinanzArchiv/Public Finance Analysis). Die Verlagsbereiche Medizin und Forstwirtschaft wurden verkauft. Dadurch verlor die H. Laupp’sche Buchhandlung gegenüber J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) an Bedeutung.

1935 trat Oskars Sohn, Hans Georg Siebeck (1911–1990) in das väterliche Unternehmen ein, leitete es von 1936 bis 1976 und blieb bis zuletzt Gesellschafter des Verlages. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten brach der Umsatz des Verlags ein, da viele Autoren emigrieren mussten und ihre Bücher nicht mehr gekauft wurden. Oskar musste noch kurz vor seinem Tod über zwei Drittel der Mitarbeiter entlassen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Hans Georg Siebeck 1945 eine der ersten Verlagslizenzen in der französischen Zone und baute den Verlag wieder auf. Bereits 1946 wurde die Deutsche Rechts-Zeitschrift gegründet, die seit 1951 als JuristenZeitung (JZ) vierzehntägig erscheint.

Die 1957 beginnende Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institut markierte den Beginn des Programmbereichs Judaistik, der selbstständig neben dem theologischen Verlagsprogramm steht.

Georg Siebeck

1972–2014: Ein moderner Verlag für Wissenschaften – Georg Siebeck

Hans Georg Siebecks Sohn, Georg Siebeck (geb. 1946) trat 1972 in den Verlag J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) ein und übernahm 1976 die Geschäftsführung. Seit 1983 als Gesellschafter und seit 1990 als Alleininhaber des Verlages hat er bis 2014 über vierzig Jahre den Verlag begleitet und geführt. Er hat die Umwandlung des Verlages in einen zunehmend internationalen, modernen Wissenschaftsverlag initiiert und umgesetzt. Unter seiner Ägide wurden Fachlektorate eingerichtet. Schriftenreihen und Zeitschriften erscheinen seither mehrsprachig oder ganz auf Englisch; Herausgeberkreise sind international zusammengesetzt. Die Bücher und Zeitschriften werden zu 40% mit steigender Tendenz ins Ausland verkauft.

Seit 1996 benutzt der Verlag die Marke Mohr Siebeck, 2003 wurde die Firma in Mohr Siebeck e.K. umbenannt. Zur Sicherung der selbstständigen Fortführung wurde der Mohr Siebeck Verlag 2005 in eine GmbH & Co. KG umgewandelt. Mit Georg Siebeck wurden 2005 die beiden seit Jahren für Jura und Theologie/Judaistik Programmverantwortlichen Franz-Peter Gillig und Henning Ziebritzki zugleich Geschäftsführer des ganzen Verlages.

Verlagsgebäude in der Wilhelmstraße

Seit 2015: Mohr Siebeck auf dem Markt der Gegenwart

Nachdem Georg Siebeck Ende 2014 seine Tätigkeit als Geschäftsführer beendete, wurde der Verlag von Franz-Peter Gillig und Henning Ziebritzki gemeinsam geleitet; seit 2018 ist Henning Ziebritzki alleiniger Geschäftsführer.

Die gegenwärtige Gestalt des Verlages ist geprägt durch die weitere Internationalisierung auf Autoren- und Kundenseite, den Ausbau der Programmleitungen sowie die Digitalisierung der Prozesse und Produkte.

Der Verlag hat eine eigene eLibrary entwickelt, um digitale Produkte in Zusammenarbeit mit entsprechenden Partnern weltweit vertreiben zu können. Mit der Spezialisierung der Wissenschaften, die Mohr Siebeck verlegt, hat sich das Verlagsprogramm stetig ausdifferenziert. So hat sich aus den vier Verlagsbereichen Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft, die den Verlag seit den 1930er Jahren geprägt haben, in den letzten Jahren das folgende Programmspektrum entwickelt:

TheologieJudaistikReligionswissenschaft
GeschichtswissenschaftAltertumswissenschaftPhilosophie
RechtswissenschaftWirtschaftswissenschaftSoziologie

Das Mohr Siebeck Verlagsarchiv online

Das Verlagsarchiv reicht bis 1801 zurück; ab 1878 ist es für Laupp und Mohr Siebeck vollständig erhalten. Im Jahr 2010 wurde es der Staatsbibliothek zu Berlin geschenkt. Diese verpflichtete sich, die darin enthaltenen Verträge, Korrespondenzen mit Autoren und Rezensionen im Verbundkatalog Kalliope zu verzeichnen und für die Wissenschaft recherchierbar zu machen. 

Zum Verlagsarchiv bei der Staatsbibliothek zu Berlin