Einführung in die Rechtsphänomenologie 978-3-16-150706-9 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Sophie Loidolt

Einführung in die Rechtsphänomenologie

Eine historisch-systematische Darstellung

2010. XIII, 411 Seiten.
44,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-150706-9
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Die Phänomenologie hat als eine der einflussreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts auch interdisziplinäres Denken angeregt. Sophie Loidolt stellt hier erstmals die verschiedenen Theorien, die sich aus einem solchen Dialog zwischen Phänomenologie, Rechtsphilosophie und Rechtswissenschaft ergeben haben, in einem historisch-systematischen Überblick dar.
»Interdisziplinarität« ist eine frühe Qualität des phänomenologischen Denkens: Adolf Reinachs »Die apriorischen Grundlagen des bürgerlichen Rechts« (1913) geben den Startschuss für eine reichhaltige, differenzierte und heterogene Theoriebildung an der Schnittstelle von Phänomenologie, Rechtswissenschaft und Rechtsphilosophie, die bis in die Gegenwart reicht.
Dabei inspirieren die phänomenologischen Themen der (Inter-)Subjektivität, der Konstitution von Sinn, der Lebenswelt und Existenz sowie ihre methodisch forcierte Erfahrungs- und Phänomennähe neue Zugänge zum Rechtsphänomen und dessen theoretischer Erfassung: Husserls Logik, Eidetik, soziale Ontologie und Lebenswelt werden in so unterschiedlichen Gebieten wie einer Theorie des Versprechens oder einer rechtspositivistischen Wissenschaftstheorie fruchtbar gemacht. Ebenso finden sich produktive rechtsphänomenologische Fortführungen von Heideggers, Schelers und Merleau-Pontys Ansätzen. Gegenwärtige Strömungen umfassen Ansätze der Alteritätsethik sowie Überlegungen zu Menschenrechten und Gerechtigkeit.
Rechtsphänomenologische Theorien erweisen ihre Stärke vor allem als philosophisch-kritische Reflexionen auf das Recht und darin, dem rechtlichen Phänomen ein Verständnis abzugewinnen, welches sich nicht in einer Rechtswissenschaft erschöpft, sondern das »rechtliche Sein« des Menschen im Ganzen befragt: als Theorien der Rechtserfahrung, der Intersubjektivität und Lebenswelt, der Alterität, der Sinnkonstitution, der Genesis von Ordnungen, der Aufmerksamkeit auf Brüche, der Analyse von Geltungsstrukturen, operativen Prozessen, Sedimentierungen und Habitualisierungen.
Personen

Sophie Loidolt Geboren 1980; Studium der Philosophie in Wien mit Forschungsaufenthalten in Leuven, Paris und New York; 2007 Promotion; seit 2006 Lehrbeauftragte an der Universität Wien; 2010–2013 APART-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften; WS 2010 Visiting Scholar an der New School for Social Research, New York.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Juristenzeitung — 2011, 947–948 (Kai Purnhagen)
In: Philosophischer Literaturanzeiger — 65 (2012), S. 323–328 (Mesut Keskin)
In: Lo Stato — 2015, Heft 5, 278–279 (Giuliana Stella)