Römische Religion im Kontext 978-3-16-149301-0 - Mohr Siebeck
Geschichtswissenschaft

Hubert Cancik

Römische Religion im Kontext

Kulturelle Bedingungen religiöser Diskurse. Gesammelte Aufsätze I
Hrsg. v. Hildegard Cancik-Lindemaier

2008. XII, 484 Seiten.
139,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Leinen
ISBN 978-3-16-149301-0
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Die Religionen Roms, der Stadt und des Imperium, sind Gegenstand dieser Studien. Hubert Cancik stellt religiöse Interaktion, Toleranz und Repression dar, sowie die Wahrnehmung und Vermeidung der jeweils anderen Religion im Raum einer antiken Metropole mit europäischer Wirkung bis in die Gegenwart.
In den hier gesammelten Versuchen und Vorarbeiten skizziert Hubert Cancik die Struktur der römischen Religion und erzählt ihre Geschichten. Er beobachtet die kultische Praxis und erklärt ihre Selbstreflexion, die eigene und die Kritik der anderen, der Griechen, Juden, Christianer. Das räumliche Zentrum dieser Religion und dieser Essays ist die Stadt Rom und die stadtrömische Religionsgeschichte: Denn diese Stadt ist das ' »Haupt«, der »Tempel«, der »Verschnitt« der Oekumene. Die Religionsgeschichte der Stadt Rom führt aber eben deshalb immer auf die Religionsgeschichte eines Imperium, das keine Grenze hat in Raum oder Zeit (Vergil). Der zeitliche Schwerpunkt der Aufsätze liegt in der klassischen Epoche, der Kaiserzeit und der Spätantike. Hier zeigt sich die Interaktion der römischen mit der griechischen, jüdischen und christlichen Religion in hervorragenden Texten (Markus, Tacitus, Flavius Josephus, Lukas, Lukian, Apuleius, Augustin). Alle Religionen dieser Epoche entwickeln oder verstärken universalistische Tendenzen. Auf der Grundlage früher und kontinuierlicher italisch-griechischer Kulturkontakte konvergieren unter dem nivellierenden Druck des Imperium die Religionen des Mittelmeerraumes. Es entsteht ein multireligiöses System, das als 'Reichsreligion' verstanden werden kann Das interreligiöse Gespräch war auch in der Antike selten und schwierig. Fremde Bilder und Riten können Angst auslösen oder transportieren; Vermeidung der anderen Religion ist leichter als ihre Wahrnehmung. Rerpression, Entsakralisierung, Ästhetisierung sind Folgen dieser Konflikte. Die Geistesgeschichte der römischen Religion interpretiert die »mythische Theologie« der Dichter, die geschichtlichen und philosophischen Reflexionen auf Religion, die Anfänge von Religionsgeschichtsschreibung und Religionswissenschaft.
Inhaltsübersicht
Inhaltsübersicht:
I,1 Römische Religion als System und Praxis
Römische Religion. Eine Skizze – Rome as Sacred Landscape. Varro and the End of Republican Religion in Rome – Zur Geschichte der aedes (Herculis) Musarum auf dem Marsfeld – Libri fatales. Römische Offenbarungsliteratur und Geschichtstheo¬logie – The Truth of Images. Cicero and Varro on Image Worship – Haus, Schule, Gemeinde. Zur Organisation von 'fremder Religion' in Rom – The Reception of Greek Cults in Rome. A Precondition of the Emergence of an 'Imperial Religion' – patria – peregrina – universa. Versuch einer Typologie der universalistischen Tendenzen in der Geschichte der römischen Religion – Fides, Pistis und Imperium – Auswärtige Teilnehmer an stadtrömischen Festen – Die 'Repraesentation' von 'Provinz' (nationes, gentes) in Rom. Ein Beitrag zur Bestim¬mung von 'Reichsreligion' vom 1. Jahrhundert vor bis zum 2. Jahrhundert nach Christus – »Nichts blieb übrig für die Verehrung der Götter«. Historische Reflexion über Herrscherverehrung bei Tacitus – Der Kaiser-Eid. Zur Praxis der römischen Herrscherverehrung

I,2 Geistesgeschichte der römischen Religion
Das Ende von Welt, Geschichte, Person in der griechischen und römischen Antike – Reinheit und Enthaltsamkeit in der römischen Philosophie und Religion – Versuche zum Glück. Drei Interpretationen zur Religions- und Geistesgeschichte im Rom der neutestamentlichen Epoche: Phaedrus, Plinius, Epiktet – Römische Dämonologie (Varro, Apuleius, Tertullian) – Römischer Religionsunterricht in apostolischer Zeit. Ein pastoralgeschichtlicher Versuch zu Statius, Silve V 3, 176–184 – Lucian on Conversion. Remarks on Lucian's Dialogue 'Nigrinos' – »Parallels«. How the Ancients Compared Their Religions – Caput mundi. Rom im Diskurs 'Zentralität' – »Tempel der ganzen Welt«. Ägypten und Rom – Ein Volk gründen. Ein myth-historisches Modell in Vergils Aeneis – 'Götter einführen'. Ein myth-historisches Modell für die Diffusion von Religion in Vergils Aeneis – Römische Religion in spätantiken Vergil-Kommentaren
Personen

Hubert Cancik ist Professor emeritus für klassische Philologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Hildegard Cancik-Lindemaier Keine aktuellen Daten verfügbar.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: International Review of Biblical Studies — 54 (2007/08), S. 1366
In: New Testament Abstracts — 52 (2008), S. 620–621
In: Studien zum NT und seiner Umwelt — 33 (2008), S. 278 (A. Fuchs)
In: Neue Zürcher Zeitung — 29. Oktober 2008, S. 43 (Stefan Rebenich)