Friedemann Voigt

Die hinkende Trennung von Macht und Ohnmacht der Kirche

Rubrik: Streitbare Thesen
Jahrgang 4 (2026) / Heft 1, S. 21-24 (4)
Publiziert 06.05.2026
DOI 10.1628/stk-2026-0005
Beschreibung
Die Kirche ist theologisch wie soziologisch ein Kompromiss. Gerade in ihrer Elastizität, im Umfassen und der Integration unterschiedlicher Frömmigkeits- und Lebensstile war ihre Macht begründet. Das gegenwärtige Bedürfnis nach Sichtbarkeit und Profi lierung führt hingegen zu Vereindeutigungen sog. „christlicher Werte", welche die Kompromissfähigkeit bedrohen oder off en in Frage stellen. Der damit verbundene moralische und politische Anspruch führt aber nicht nur die faktische gesellschaftliche Ohnmacht der Kirchen vor Augen, sondern er ist auch ein Zeichen des Verlustes an religiöser Bindungskraft.