Plädoyer für die Aufgabe der Kategorie »bedingter Vorsatz« - 10.1628/jz-2019-0159 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Tatjana Hörnle

Plädoyer für die Aufgabe der Kategorie »bedingter Vorsatz«

Rubrik: Aufsätze
JuristenZeitung (JZ)

Jahrgang 74 () / Heft 9, S. 440-449 (10)

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Nach deutschem Strafrecht wird hochriskantes Verhalten mit schweren Folgen als entweder bedingt vorsätzliches oder fahrlässiges Delikt geahndet. Diese Dichotomie mit den scharf abgegrenzten Strafrahmen ist aus verschiedenen Gründen nicht überzeugend, nicht nur wegen der Probleme mit der retrospektiven Feststellung psychologischer Zustände, sondern auch, weil Unterschiede bei inneren Einstellungen in normativer Hinsicht überbewertet werden. Statt des Versuchs, die Definition des bedingten Vorsatzes zu verbessern, sollte der Unrechtskern von hochriskantem Verhalten durch eine andere Kategorienbildung erfasst werden, auch wenn dies auf eine grundlegende Änderung des deutschen Strafrechts hinausläuft. In Anlehnung an die Definition von »Recklessness« im Model Penal Code des American Law Institute ist zu erwägen, Leichtfertigkeit als neue Zentralkategorie einzuführen.
Personen

Tatjana Hörnle Geboren 1963; 1982–88 Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Tübingen; 1991–93 Studium Criminal Justice, Rutgers University, USA; 1999 Promotion; 2003 Habilitation; seit 2009 Inhaberin des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Humboldt-Universität zu Berlin.