Theologie

Thomas Kaufmann

Aneignungen Luthers und der Reformation

Wissenschaftsgeschichtliche Beiträge zum 19.-21. Jahrhundert
Herausgegeben von Martin Keßler unter Mitwirkung von Marlene Pape

124,00 €
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ISBN 978-3-16-161337-1
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Thomas Kaufmann stellt im vorliegenden Band prägende Konstellationen und wissenschaftliche Debatten, in denen es zur Aneignung der Reformation kam, vor und analysiert diese. Das Kaiserreich, die Weimarer Zeit, das »Dritte Reich« und die Nachkriegszeit erweisen sich als besonders produktive Phasen sehr unterschiedlicher Aneignungen Luthers und der Reformation. Die Wissenschaftsgeschichte der Reformationsdeutung stellt sich als spezifischer Indikator des theologischen Selbstverständnisses des neuzeitlichen Protestantismus dar.
Anhand wissenschaftsgeschichtlicher Schlüsselkonstellationen des 19. und 20. Jahrhunderts thematisiert Thomas Kaufmann spezifische Aneignungen Luthers und der Reformation, an denen deutlich wird, dass und inwiefern sich der Protestantismus in unterschiedlichen Phasen seiner neuzeitlichen Geschichte im Verhältnis zu den reformatorischen Entwicklungen des 16. Jahrhunderts verstanden und gedeutet hat. Das Verständnis Luthers und der Reformation erweist sich vielfach als ein wichtiger Indikator für das theologische Selbstverständnis einer bestimmten historischen Etappe. Die enge Verbindung der hier vorgestellten Aneignungen etwa auch mit politischen Entwicklungen wird im Kaiserreich, aber auch in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus deutlich. Einzelne exponierte Repräsentanten der Kirchengeschichtsschreibung wie Adolf von Harnack, Reinhold oder Erich Seeberg, Heinrich Bornkamm oder Ernst Bizer werden in Einzelanalysen vorgestellt. In Bezug auf die frühe Nachkriegszeit und die Entwicklung der Reformationsgeschichtsschreibung in Westdeutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik erweist sich die Systemkonkurrenz als ein eminent stimulierender Faktor der Forschung. In der aktuellen internationalen Forschung droht der Verlust eines einheitlichen Konzepts von Reformation; dem tritt Thomas Kaufmann mit einem Gegenkonzept entgegen, dass die unabweisbare Bedeutung Luthers und der Auseinandersetzung um ihn im Kontext der europäischen Diskussionen des früheren 16. Jahrhunderts aufweist. Eine nachdrücklich zurückgewiesene Konsequenz der neueren Forschungsdiskussion besteht darin, den Epochencharakter der Reformation infrage zu stellen.
Personen

Thomas Kaufmann Geboren 1962; Studium der Theologie in Münster, Göttingen, Tübingen; 1990 Promotion; 1994 Habilitation; 1996–2000 Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der LMU München; seit 2000 Lehrstuhl für Kirchengeschichte in Göttingen; 2020 Leibnizpreis.
https://orcid.org/0000-0002-5003-8731

Martin Keßler Geboren 1975; 1995–2000 Studium der Ev. Theologie in Heidelberg, Erlangen und München; 2006 Promotion; 2013 Habilitation; 2018–20 Heisenberg-Professor für neuzeitliche Kirchengeschichte in Frankfurt am Main; 2020–22 Professor für Kirchen- und Theologiegeschichte an der Universität Basel; seit 2022 Schlegel-Professor für Kirchengeschichte an der Universität Bonn.

Marlene Pape Geboren 1989; 2009–18 Studium der Ev. Theologie in Göttingen; seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Göttingen.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: — https://reforc.com/news/aneignungen-luthers-und-der-reformation/