Das Konzept des geistlichen Gehorsams bei Johannes Sinaites 978-3-16-158647-7 - Mohr Siebeck
Theologie

Andreas Müller

Das Konzept des geistlichen Gehorsams bei Johannes Sinaites

Zur Entwicklungsgeschichte eines Elements orthodoxer Konfessionskultur

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ISBN 978-3-16-158647-7
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Andreas Müller untersucht, wie charismatische Autorität zunehmend eine zentrale Rolle in der christlichen und insbesondere in der ostkirchlichen Tradition eingenommen hat. Er analysiert entsprechende Aussagen in der Klimax des Johannes Sinaites (6. Jh.) und vergleicht sie mit solchen bei Pachomios, Basileios von Kaisareia und in den Apophthegmata Patrum.
Autorität ist in allen Zivilisationen, Gesellschaften und Religionen zu finden. Im Christentum spielt die charismatische Autorität besonders in den ostkirchlichen Traditionen noch heute eine Schlüsselrolle. Insbesondere in der evangelischen Patristik ist das Charisma gegenüber dem Amt stets positiv beurteilt worden. Dabei wurden die Schattenseiten wie die Forderung nach absolutem Gehorsam kaum wahrgenommen. Andreas Müller stellt dar, wie diese Forderung im 6. Jahrhundert in ein »spirituelles System« integriert und Gehorsam gegenüber »Geistlichen Vätern« heilsnotwendig wurde. Dabei analysiert er einen ursprünglich für Mönche verfaßten Text, die Klimax des Johannes Sinaites. Diese interpretiert er zum ersten Mal aus ihrer konkreten Entstehungssituation heraus, auch unter sozialgeschichtlichen Fragestellungen. Johannes bot demnach mit seinem geistlichen Handbuch einen Gegenentwurf zu Autoritätskonzepten in der Gesetzgebung des Kaisers Justinian. Dieser hatte versucht, das Mönchtum hierarchisch-institutionell zu organisieren. Ein Vergleich des Gehorsamskonzeptes der Klimax mit denen bei Pachomios, Basileios dem Großen und den Apophthegmata Patrum profiliert den Ansatz des Sinaiten. Dieser Ansatz hat letztlich über seine ursprüngliche Adressatengruppe des Mönchtums hinaus eine breite Rezeption erfahren. Andreas Müller bietet einen Einblick in die Entwicklung von Autoritätsstrukturen, die heute selbst in fundamentalistisch orientierten Kreisen zu finden sind.

Diese Arbeit wurde mit dem Habilitationspreis der Münchener Universitätsgesellschaft ausgezeichnet.
Personen

Andreas Müller Geboren 1966; Studium der ev. Theologie in Bethel, Bern (CH), Heidelberg und Thessaloniki (GR); 1998 Promotion; 2003 Habilitation; z.Zt. Vertretungsprofessur für Kirchengeschichte an der Universität Jena.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Revue d'histoire écclesiastique — 2007, S. 993–995 (Adalbert de Vogüé)
In: Zeitschr. f. Kirchengeschichte — 119 (2008), S. 413–414 (Felix Thome)
In: PV-aktuell (Nachrichten des Pfarrvereins Westf.) — 2006, Nr. 2, S. 8 (Karl-F. Wiggermann)
In: Theologische Literaturzeitung — 133 (2008), S. 273–275 (Erich Bryner)