Das Ungerechte an der Gerechtigkeit 978-3-16-149919-7 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Bernd Rüthers

Das Ungerechte an der Gerechtigkeit

Fehldeutungen eines Begriffs

3., überarbeitete und ergänzte Auflage 2009. XVI, 185 Seiten.
19,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-149919-7
lieferbar
Bernd Rüthers zeigt, daß »die Gerechtigkeit« ein historisch-politisch wandelbares Wunschbild darstellt. Der reale Inhalt der Gerechtigkeit wird für jede Epoche und jede Kultur neu bestimmt. Die individuellen Leitbilder derer, die nach Gerechtigkeit suchen, werden von weltanschaulichen Vorverständnissen und schichtspezifischen Prägungen der einzelnen Bürger maßgeblich beeinflußt.
Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist ein menschlicher Urtrieb wie Durst, Hunger oder Sexualität. In der Alltagssprache wird von der Gerechtigkeit in der Einzahl gesprochen. Man geht davon aus, es handele sich um einen Begriff mit festem, eindeutig bestimmbarem Inhalt. Das ist unzutreffend. Unsere jeweiligen Gerechtigkeitsvorstellungen sind das Produkt eines jahrtausendealten Diskurses mit vagen und variablen Ergebnissen: Als gerecht gilt es seit Aristoteles und Ulpian, Cicero und Thomas von Aquin »Jedem das Seine zu gewähren«. Aber was ist »das Seine«? Wer hat die Definitionsmacht über diese Frage im konkreten Fall? Daneben stehen die subjektiven Gerechtigkeitserwartungen der jeweils Beteiligten. Sie sind von ihren schichtspezifischen Prägungen, ihren ideologischen Vorverständnissen und ihren materiellen Interessen beeinflußt. Gerechtigkeit gibt es also in der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit nur im Plural als den Wettbewerb unterschiedlicher, oft gegensätzlicher Leitbilder der verschiedenen weltanschaulichen und politischen Gruppen. Dem geht Bernd Rüthers an einer Fülle von Beispielen aus Geschichte und Gegenwart nach. Er weist die Unsicherheit und Wandelbarkeit des Gerechtigkeitsbegriffes und der »Rechtsidee« im Wandel der Systeme und Kulturen nach. Die Kriterien der Gerechtigkeit erweisen sich als unscharfe Wegweiser in immer neue Problemfelder menschlichen Zusammenlebens. Der Staat hat kein Wahrheits- oder Richtgkeitsmonopol für die Definition des jeweils »Gerechten«. Er verkündet in Gesetzen und letztinstanzlichen Entscheidungen nur die jeweiligen »Systemgerechtigkeiten« aus seiner Sicht.
Personen

Bernd Rüthers Geboren 1930; 1958 Promotion; 1961–63 Direktionsassistent Daimler-Benz AG; 1967 Habilitation; 1967–71 o. Professor an der Freien Universität Berlin und Direktor des Instituts für Rechtssoziologie und Rechtstatsachenforschung; seit 1971 o. Professor für Zivilrecht und Rechtstheorie an der Universität Konstanz; 1998 Emeritierung.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Berliner Anwaltsblatt — 2011, Heft 12, XXXIV
In: Portal für Politikwiss. pw-portal.de — www.zpol.de (26.08.2009) (Timo Lüth)
In: Der Landkreis — 2009, Heft 7
In: Zeitschrift d.Savigny-Stiftung G — 2010, 453–454 (Gerhard Köbler)
In: Eigentümlich Frei — 2010, Nr. 103, 58 (Dirk Friedrich)
In: Für die Freiheit — 2011, Heft 1, S. 15
In: Buecher.de — http://www.buchkatalog.de/kod-bin/isuche.cgi?quicksearch=9783161499197
In: Recht der Arbeit — 2011, 64 (Rolf Wank)
In: Schleswig-Holsteinische Anzeigen — 2014, 210