Christian Blumenthal interpretiert den Judasbrief und den Zweiten Petrusbrief in ihren kulturellen Kontexten, arbeitet ihre strategischen theologischen Mehrdeutigkeiten heraus und fragt nach deren pragmatischen Potenzialen im Horizont der so raumgreifenden polemischen Schwarz-Weiß-Kontrastierungen in beiden Briefen.
Christian Blumenthal analysiert und interpretiert den Judasbrief und den Zweiten Petrusbrief in ihrem kulturellen Setting und leuchtet ihre Beziehungen zu ihrer jüdischen und griechisch-römischen Mitwelt aus. Ein Hauptaugenmerk der Auslegung liegt auf der Analyse strategischer theologischer Mehrdeutigkeiten und Vagheiten in beiden Briefen und deren pragmatischem Potenzial: Der Autor zeigt, wie „Judas" den scharf gezeichneten Schwarz-Weiß-Kontrast nutzt, um ein ekklesiologisches Mittelfeld zu öffnen, in dem Erbarmen gegenüber theologischen „Grenzgängern" eingefordert wird. Zugleich arbeitet er heraus, wie „Petrus" trotz literarischer Polarisierung Graubereiche andeutet und Grenzzonen auslotet. Beide Briefschreiber entwerfen ein Gottes- und Christusbild, das Unterscheidung und Zusammengehörigkeit verbindet. Sie denken christusgläubige Existenz als Spannung zwischen Heilsfülle und noch ausstehender, durch Gefährdungsfreiheit bestimmter Vollendung.
Inhaltsübersicht:
1 Quellen, Textausgaben, Übersetzungen
1.1 Bibelausgaben
1.2 Jüdische Quellen
1.3 Christliche Texte, Apokryphen und Textsammlungen zum Alten und Neuen Testament
1.4 Pagane Texte und Inschriften
2 Hilfsmittel - Wörterbücher, Grammatiken, Konkordanzen, Lexika
3 Kommentare zum Judas- und Zweiten Petrusbrief
4 Weitere Kommentare, Monographien und Aufsätze
5 Abkürzungen
Grundlegungen und Begriffsbestimmungen
1 Grundlegungen und Begriffsbestimmungen meines ambiguitätstheoretischen Ansatzes
1.1 Hinführung: Strategische Ambiguitäten im Fokus
1.2 Zwei kämpferisch-polemische Briefe im spannungsvollen Zugleich von gezeigter
Vereindeutigung und praktizierter Ambiguierung
1.3 Forschungspraktische Zielsetzung
1.4 Literarische Mehrdeutigkeiten und die antike Rhetorik
1.5 Begriffsbestimmungen: Mehrdeutigkeiten, Vagheiten, Ambiguitäten
2 Ambige Machtverhältnisse und asymmetrische Abhängigkeiten
2.1 Umfassende literarische Verfügungsgewalt
2.2 Aushandlungsprozesse um beanspruchte und zugestandene Deutungshoheit
2.3 Pseudepigraphie als ambivalentes Phänomen im Aushandlungsprozess um beanspruchte und
zugestandene Deutungshoheit
Judasbrief
Einleitung
1 Text(kritik), frühe Bezeugung und Platzierung im Kanon
1.1 Text(kritik)
1.2 Frühe Bezeugung und Platzierung im Kanon
2 Literarische Form, Gliederung und Gedankenfolge
3 Quellen und Traditionsmilieu
3.1 Traditionsmilieu
3.2 Das Zitat aus 1Hen 1,9 in Jud 14-15
4 Der Judasbrief als pseudepigraphes Schreiben: Irgendwer, irgendwo, irgendwann
4.1 Welcher Judas?
4.2 Authentisch?
4.3 ... doch eine Verfasserfiktion
4.4 Geographisch-zeitliche Einordnung: Es bleibt bei irgendwann und irgendwo
5 Der Judasbrief und sein prophetischer Anspruch
5.1 Der Anspruch der οὗτοί εἰσιν-Aussagen
5.2 Prophetisches Überführen bei Paulus und Judas
6 Adressaten- und Gegenspieler: Zwischen literarischem Schwarz-Weiß und lebendigen
Grauabstufungen
7 Wo sieht „Judas" den inhaltlichen Knackpunkt der Kontroverse?
8 Der prophetische Brief im theologischen Querschnitt: 22 Thesen zur Orientierung
Auslegung
1-2 Präskript
3-23 Briefkorpus
3-4 Briefkorpuseröffnung: Thema und Anlass
Exkurs 1: Die soziale Dimension des Asebie-Vorwurfs
5-16 Briefkorpusmitte I in Jud 5-16: Der souveräne Kyrios, seine Geschichtshoheit und die
Gerichtsverfallenheit der Gegenspieler
5-10 Beweisaufnahme
5-7 Der biblische Erweis der uneingeschränkten Souveränität des Kyrios
Exkurs 2: Textkritische Lagebeurteilung in Jud 5
8-10 Die Gegenspieler als Lästerer der göttlichen Geschichtshoheit auf dem Weg ins
Verderben
11-13 Prophetische Vorwegnahme der endgerichtlichen Verurteilung
14-16 Der maßgebliche Erwartungshorizont: Der Kyrios kommt zum universalen Endgericht
17-19 Briefkorpusmitte II: Es ist Endzeit, die Gerichtserwartung topaktuell
Exkurs 3: Die textkritische Großbaustelle in Jud 22-23
24-25 Briefschluss: Ein geniales theozentrisches Finale
Zweiter Petrusbrief
Einleitung
1 Text(kritik), frühe Bezeugung und Platzierung im Kanon
1.1 Text und frühe Bezeugung
1.2 Textkritische Situation
1.3 Kanontheologische Stellung
2 Literarische Form, Gliederung und Gedankenfolge
3 Quellen und Traditionsmilieu
3.1 Die Gottesstimme in der synoptischen Verklärungsüberlieferung und in 2Petr 1,17
3.2 Der Judasbrief in 2Petr 2-3
3.3 Die Petrusapokalypse und 2Petr: Ein Unentschieden mit stimulierender Wirkung
4 Der reale Autor, seine Petrusfiktion, sein Aufenthaltsort und seine Zeit
4.1 Der Autor und seine Petrusfiktion
4.2 Entstehungszeit
4.3 Entstehungsort
5 Adressaten und Gegenspieler: Zwischen literarischem Schwarz-Weiß und realen Grautönen
6 Der testamentarische Brief im theologischen Querschnitt: 25 Thesen zur Orientierung
Auslegung
1,1-2 Präskript
1,3-11 Proömium: Die Grundpolarität christusgläubiger Existenz
1,3-4 als Scharnier: Vergewisserung einer Existenz, über die Größeres nicht gedacht werden kann
1,5-11 Christusgläubige Existenz im Spannungsfeld von Heilszuschreibung und Heilsgefährdung:
Ethos und Identität
Exkurs 4: Exklusive Identität und inklusives Ethos in 2Petr
Exkurs 5: Die Ambipolarität der Heilsvorstellung und das strategische Potenzial der Rede von
der Basileia Jesu Christi in 2Petr 1,11
1,12-3,16 Briefkorpus
1,12-21 Briefkorpuseröffnung: Autoritätssicherung und Profilierung des Schreibens als Testament
2,1-22 Briefkorpusmitte I: Göttliche Souveränität und polemische Diskreditierung
2,1-3 „Es werden Falschlehrer auftreten"
2,4-10a Der biblische Erweis ungebrochener göttlicher Souveränität
2,10b-11 als Scharnier: Überblendung aus dem Allgemeinen ins Konkrete
2,12-22 Polemische Diskreditierung der Gegenspieler und Sorge um die Grenzgänger
2,12-16 Polemische Diskreditierung der Gegenspieler I
Exkurs 6: Vage Spuren einer strukturellen Rezeption von Jud in 2Petr 2,12-19?
2,17-19 Polemische Diskreditierung der Gegenspieler II und Sorge um die Grenzgänger
2,20-22 Polemische Zuspitzung
3,1-13 Briefkorpusmitte II: „Der Tag des Herrn kommt, sicherlich!"
3,1-4 Die These der Endzeitspötter
Exkurs 7: ἐπαγγελία, ἐπάγγελμα und ἐπαγγέλλομαι in 2Petr
3,5-7 Erwiderung I
Exkurs 8: Weltuntergangsvorstellungen in Welt und Umwelt von 2Petr
3,8-9 Erwiderung II
Exkurs 9: Ein Gedankenexperiment zu einem weitgefassten πᾶς - Räumt „Petrus" den
Parusiekritikern doch noch eine Chance auf Heil ein?
3,10 als Scharnier: Der Tag des Herrn ist ambipolar und kommt für alle
Exkurs 10: Strategische Ambiguierungen zwischen 2Petr 3,7.10.12 zur literarischen
Inszenierung der Ambipolarität des Herrn-Tages auch für die Briefadressaten
3,11-13 Der Tag und die Adressaten: Im Spannungsfeld von Zuspruch und Mahnung
3,14-16 Briefkorpusabschluss: Schlussfolgerungen und Einhegung „anderer" Autoritäten
3,17-18 Briefschluss