Rechtswissenschaft

Klaus Ferdinand Gärditz

Dirty Drugs

Psychopharmakologie und Recht im Kontext

109,00 €
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fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-161896-3
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Psychopharmaka prägen unsere Gesellschaft. Ausgehend von der Geschichte der modernen Psychopharmakologie widmet sich Klaus Ferdinand Gärditz den Regelungsstrukturen – vom Betäubungsmittelrecht über das Arzneimittelrecht bis zum verfassungsrechtlichen Rahmen – und den Wechselwirkungen zwischen Pharmakologie, Gesellschaft und Recht.
Psychische Erkrankungen gehören epidemiologisch weltweit zu den verbreitetsten Krankheitsrisiken. Psychopharmaka prägen unsere Gesellschaft stärker, als uns dies bewusst ist. Gleichwohl ist der rechtliche Rahmen der psychopharmakologischen Forschung und Therapie fragmentiert sowie teils von vorrationalen Pfadabhängigkeiten geprägt. Die vorliegende Untersuchung geht von der Geschichte der wissenschaftlichen Psychopharmakologie sowie den neurochemischen Wirkungsmechanismen typischer Psychopharmaka aus. Klaus Ferdinand Gärditz analysiert die wildwüchsigen Regelungsstrukturen und die damit verbundenen Wechselwirkungen zwischen Pharmakologie, Gesellschaft und Recht als institutionelle Herrschaftspraxis. Naturwissenschaftliches Wissen prägt einerseits das Recht, reziprok prägen aber auch die Symboliken und Steuerungsinstrumente des Rechts die Entstehung von sowie den Umgang mit naturwissenschaftlichem Wissen. Pharmakologische Wissensgenerierung hat eine markante Eigengeschichtlichkeit, die erst aufzeigt, wie überhaupt Regelungsbedürfnisse entstanden sind und wie eine Gesellschaft, die Recht instrumentell zur sozialen Zielerreichung einsetzt, Psychopharmaka und ihre Erforschung in der Zeit wahrgenommen hat. Eine kontextsensible Reflexion des Rechts der psychotropen Stoffe (vom Betäubungsmittelrecht über das Arzneimittelrecht bis zum verfassungsrechtlichen Rahmen) scheint gerade auch deshalb angezeigt, weil Legalisierungs- und Liberalisierungsdebatten wieder an Fahrt aufnehmen, aber weitgehend konzeptlos bleiben.
Inhaltsübersicht
Einleitung
I. Psychotrope Stoffe und normativ-soziale Präformation
II. Pharmakologie zwischen Medizinrecht und Forschungsrecht
III. Grundlagenforschung, angewandte Wissenschaft, medizinische Anwendung
IV. Autonomie rechtlicher Begriffssysteme und Kontextualisierung des Rechts

1. Kapitel: Entwicklungspfade der Psychopharmakologie zwischen therapeutischer Pragmatik und Wissenschaft
I. Entwicklung eines Denkstils der Psychopharmakologie
II. Wirkungsansätze von Psychopharmaka
III. Evidenz, Ätiologie und Psychopharmaka
IV. Arzneimittelpathologie und Stoffabhängigkeit als Krankheit des Gehirns

2. Kapitel: Psychopathologie, Pharmatherapie und Gesellschaft
I. Psychopathologie und Kultur
II. Psychopathologie und Norm: Gesellschaft, Recht und Psychopharmaka der »Pop a Prozac«-Culture
III. Psychopathologie, Gesellschaft und Recht
IV. Bilanz: Gesellschaftliche Nutzenerwartungen und Grundlagenwissen

3. Kapitel: Toxikologischer Blick des Rechts: Verbotsregimes psychotroper Stoffe
I. Die Asymmetrie der stofflichen Risikowahrnehmung
II. Vom Apothekenrecht zum Suchtstoffrecht
III. Regelungsstruktur zwischen Verwaltungs- und Strafrecht
IV. Wettlauf von Hase und Igel: Das Recht der Neuen psychoaktiven Stoffe
V. Bilanz: Ambivalenz-Intoleranz des Betäubungsmittelrechts

4. Kapitel: Pharmakologischer Blick des Rechts: Anwendung und Zulassung von Psychopharmaka
I. Arzneimittelregulierung
II. Arzneimittel- und Betäubungsmittelrecht als wechselseitige Auffangordnungen?
III. Psychopharmaka in Arzneimittelzulassungsverfahren
IV. Pflanzliche Arzneimittel
V. Psychopharmaka in der Tiermedizin
VI. Die psychische Verführbarkeit: Ein besonderes Werbeverbot
VII. Enhancement und Arzneimittelprüfung
VIII. Hochmolekulare Wende?
IX. Bilanz: Psychopharmaka als normatives Risikomanagement

5. Kapitel: Wissenschaftliche Methode und Norm: Forschungsrecht der Psychopharmakologie
I. Nichtklinische Forschung
II. Klinische Arzneimittelprüfung als Forschungsformat?
III. Forschung, Therapie und Heilversuch
IV. Forschung mit Betäubungsmitteln
V. Tierversuchsrecht
VI. Strahlenschutzrecht
VII. Recht der genetischen Forschung
VIII. Datenschutzrecht
IX. Bilanz: Verwissenschaftlichung der Medizin und medizinisches Wissenschaftsrecht

6. Kapitel: Psychotrope Substanzen und Verfassungsrecht
I. Psychopharmaka und verfassungskonforme Zurechnungsgründe
II. Schutz der psychischen Integrität, Identität und Selbstbestimmung
III. Rechtfertigung von psychopharmakologischer Zwangsmedikation
IV. Grundrechtlicher Anspruch auf Schutz der psychischen Gesundheit
V. Grundrechtlicher Schutz der Nutzung psychotroper Stoffe
VI. Das Katalogproblem: Verbot psychotroper Stoffe und Gleichheit
VII. Transnationale Grenzen verfassungsrechtlicher Determination
VIII. Bilanz: Verfassungsrecht ist keine Happy Pill

Beobachtungen: Gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Komplexität in der komplexitätsscheuen Gesellschaft
I. Beharrungskräfte des Vorrationalen
II. Bürokratisierung durch Verfahren
III. Eigenrationalität des Rechts und politische Chemie
IV. Der kurze Arm des Gesetzgebungsstaats: Fachliche Standardisierung schlägt zurück
V. Die Magie des Zufalls und ihre Lücken
VI. Divergente Fließgeschwindigkeiten: Wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt, praktisches Anwendungswissen und rechtliche Regulierung
VII. Eine hinkende Ehe: Grundlagenforschung und das Recht
Personen

Klaus Ferdinand Gärditz Geboren 1975; ist Professor für Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

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