Eine religiöse Referenz in einem Europäischen Verfassungsvertrag 978-3-16-151161-5 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Kolja Naumann

Eine religiöse Referenz in einem Europäischen Verfassungsvertrag

2008. XVII, 281 Seiten.

Jus Internationale et Europaeum 22

64,00 €
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ISBN 978-3-16-151161-5
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Die vieldiskutierte religiöse Referenz in der Präambel des neuen europäischen Gründungsvertrags entzieht sich einer eindeutigen rechtlichen Einordnung. Kolja Naumann untersucht auf rechtsvergleichender Grundlage ihre künftigen Wirkungen im Unionsrecht und entnimmt ihr ein Präjudiz für das europäische Religionsverfassungsrecht.
Die Aufnahme einer religiösen Referenz oder eines Gottesbezugs in die Präambel war ein zentraler Streitpunkt bei der Ausarbeitung des Europäischen Verfassungsvertrags. Kolja Naumann untersucht ausgehend von verfassungsrechtlichen, völker- und europarechtlichen Überlegungen die rechtlichen Auswirkungen der diskutierten Varianten: einer neutralen Referenz an das religiöse Erbe Europas, einer Hervorhebung des christlichen Erbes oder einer Nennung der Verantwortung vor Gott und den Menschen. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass sich die religiösen Referenzen weder zur Begründung einer besonderen Bedeutung religiöser Argumente im Unionsrecht noch zur Anerkennung überpositiver Rechtsnormen instrumentalisieren lassen. Die religiöse Referenz in der Präambel des Verfassungsvertrags bringt vielmehr deutlich zum Ausdruck, dass die Europäische Union des 21. Jahrhunderts ihre oft konstatierte 'Religionsblindheit' überwindet und ein freundliches und diskriminierungsfreies Zusammenwirken mit Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften entwickelt. Der Autor veranschaulicht, dass die Erwähnung der Bedeutung des Erbes Europas für die Entwicklung der Unionswerte deutlich macht, dass diese im Lichte ihrer begriffsgeschichtlichen Bedeutung ausgelegt werden müssen.
Von diesen Überlegungen ausgehend untersucht Kolja Naumann die Auswirkungen der religiösen Referenz auf die Auslegung der Normen des Verfassungsvertrags und insbesondere auf das sich entwickelnde Religionsverfassungsrecht. Dabei arbeitet er auch die Grenzen dieser Auslegungsfunktion heraus.
Personen

Kolja Naumann Geboren 1980; Studium der Rechts- und Politikwissenschaften in Bonn, Paris und Köln; 2007 Promotion; Rechtsreferendar beim OLG Köln.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Portal für Politikwiss. pw-portal.de — www.zpol.de (27.11.2008)
In: Theologische Literaturzeitung — 134 (2009), S. 1001–1010 (Helmut Goerlich)