Philippa Townsend zeigt, dass frühchristliche Opferkonzepte durch eine diskursive Verbindung von Ethnizität und Opfer in den Texten des antiken Mittelmeerraums geprägt sind. Christen nutzten Opferrhetorik, um ihre Identität als Volk zu begründen und zu perpetuieren - und prägten auf diese Weise moderne Vorstellungen von »Rasse« und Religion.
Philippa Townsend argumentiert, dass sich die frühchristlichen Vorstellungen von Opfer im Kontext einer weit verbreiteten diskursiven Verknüpfung zwischen Ethnizität und Opfer in antiken mediterranen Texten entwickelten. Sie zeigt, dass dem Opfer eine tiefgreifende Wirksamkeit bei der Abgrenzung zwischen ethnischen Gruppen sowie bei der Schaffung, Erhaltung und manchmal auch Zerstörung von Geschlechtern und Völkern zugeschrieben wurde. Die Autorin konzentriert sich auf eine Reihe von Fallstudien vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr., die jüdische, christliche, mittelplatonische und neuplatonische Traditionen umfassen, darunter das Buch der Jubiläen, den Hebräerbrief des Neuen Testaments, das Judas-Evangelium sowie die Werke von Justin dem Märtyrer, Celsus, Origenes, Porphyrios, Iamblichos und Kaiser Julian. Die Studie zeigt, wie diese Autoren je nach ihrem eigenen sozialen, politischen und theologischen Kontext auf unterschiedliche Weise opferbezogene und ethnische Rhetorik einsetzten, um verschiedene Vorstellungen von Volkszugehörigkeit in einem sich wandelnden imperialen Kontext zu artikulieren. Dieser Zusammenhang zwischen ethnischer und opferbezogener Argumentation war grundlegend für die Entwicklung der Identität der frühen Christen, ihrer Opfertheologien, ihrer Entwicklung eines antijüdischen Supersessionismus und ihrer Reaktionen auf das Imperium. Weit davon entfernt, Opfer oder ethnische Selbstdefinition abzulehnen oder zu spiritualisieren, betrachteten viele frühe Christen das Opfer als ein wirkungsvolles Mittel, um ihr eigenes Volksbewusstsein innerhalb der ethnischen Landschaft des Römischen Reiches zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus hat die Rhetorik von Universalismus und Partikularismus, Geist und Fleisch, Blut und Samen, Barbarei und Zivilisation, die diese antiken Debatten über Opfer und Ethnizität prägte, entscheidend zur Ausbildung moderner Vorstellungen von »Rasse« und Religion beigetragen.
Inhaltsübersicht:
Introduction
Chapter 1. Race, Ethnicity, and Sacrifice: Ancient and Modern Intersections
A. Race and Ethnicity: Definitions and Approaches
B. Biblical Interpretation in the Construction of Ethnicity
C. Ethnicity, Universalism, and the Construction of »Religion«
D. Scholarship on Jewish and Christian Difference
E. Ancestry and Fluidity in Ancient Ethnic Definition
F. Sacrifice and Ethnicity in the Greco-Roman World
G. Sacrifice and Descent
H. Blood, Seed, and Spirit
Chapter 2. Jubilees' Narratives of Sacrifice and Descent
A. Jewish Narratives of Sacrifice and Descent
B. Jubilees: Text and Contexts
C. The Noachic Covenant: Cult and Cultivation
D. Sacrifice and the Seed of Abraham
E. Priestly Nation, Holy Seed
F. Conclusion
Chapter 3. Sacrifice, Priesthood, and Descent in Hebrews and Beyond
A. Ethnicity and Sacrifice in New Testament Texts
B. Sacrifice and Kinship in Hebrews
C. Melchizedek: Priest without Genealogy
D. Melchizedek: Priest of the Uncircumcised
E. Conclusion
Chapter 4. Sacrifice and Dissent in the Gospel of Judas
A. »Race« in the Gospel of Judas
B. Generative Blood and Christian Sacrifice
C. Sacrifice and Supersessionism
D. An Anti-Sacrificial Gospel?
E. Conclusion
Chapter 5. Justin and Celsus: Ethnicity in Middle Platonic Context
A. A Dialogue with Whom?
B. The Relationship between Justin and Celsus
C. Ethnicity in Platonic Tradition
D. Conclusion
Chapter 6. Justin and Celsus: Debating Ethnicity and Sacrifice
A. The Philosophical Setting of the Dialogue
B. Israelite Prophecy as Barbarian Wisdom
C. Sacrificial Cult and Ancestral Tradition
D. The Ethnic Implications of Daemonic Sacrifice
E. Sacrificial Ethnogenesis
F. The Universal Sacrifices of the New People
G. Conclusion
Chapter 7. Neoplatonic Debates on Ethnicity, Sacrifice, and Empire
A. Origen's Theology of Race
B. Daemons, Ethnicity, and Sacrifice
C. Porphyry and Iamblichus on Sacrifice
D. Universalism and Empire
E. Julian and Sacrifice in the Fourth Century
F. Conclusion
Conclusion