Herbert Cram und der Verlag Walter de Gruyter 1945 bis 1967 978-3-16-160855-1 - Mohr Siebeck
Geschichtswissenschaft

Angelika Königseder

Herbert Cram und der Verlag Walter de Gruyter 1945 bis 1967

Ein Wissenschaftsverlag im Nachkriegsberlin

2021. IX, 101 Seiten.
39,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Festeinband
ISBN 978-3-16-160855-1
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Herbert Cram leitete den Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter von 1923 bis 1967. Auf wirtschaftlich erfolgreiche Jahre vor 1945 folgten schwierige Zeiten. Angelika Königseder dokumentiert diese Jahre und erläutert unter anderem, warum die Aufgabe des Verlagssitzes in Berlin für Cram auch zu Zeiten politischer Krisen wie der Berlin-Blockade 1948/49 oder dem Mauerbau 1961 keine Option war.
Der Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter hatte sich in der NS-Zeit zwar bemüht, wissenschaftliche Qualitätsstandards aufrechterhalten. Zugleich suchte der Verleger Herbert Cram die Nähe des Regimes. Dessen ideologische und antisemitische Vorgaben akzeptierte er ohne Widerspruch. Ihm war in den Jahren 1933 bis 1945 ausschließlich am wirtschaftlichen Erfolg des Verlages gelegen. In ihrem zweiten Buch über die Geschichte des Walter de Gruyter Verlages widmet sich Angelika Königseder nun den schwierigen Jahren nach 1945, die das Unternehmen im Wesentlichen aufgrund seiner »stillen Reserven« – der Verlagsrechte – überdauerte. Zunächst hielt die Verlagsleitung den Betrieb am Laufen, indem die teilweise erhalten gebliebenen Lagerbestände verkauft und anschließend unverändert nachgedruckt wurden. In den 1950er-Jahren ging es zwar wirtschaftlich bergauf, aber familiäre Auseinandersetzungen und wohl auch die personelle Kontinuität in der Verlagsführung verhinderten einen tatsächlichen Aufbruch. Unter Herbert Cram, der den Verlag seit dem Tod Walter de Gruyters im Jahre 1923 leitete, hielten weder neue Wissenschaftsdisziplinen noch ein moderner Führungsstil oder der Aufbau neuer Standorte Einzug bei De Gruyter. Die Aufgabe des Verlagssitzes in Berlin und eine Verlegung in den Westen Deutschlands war für Herbert Cram auch zu Zeiten größter politischer Krisen wie der Berlin-Blockade 1948/49 oder dem Mauerbau 1961 keine Option. Vor allem eine internationale Ausrichtung wurde erst von den neuen Geschäftsführern Kurt-Georg Cram und Kurt Lubasch ab Mitte der 1960er-Jahre eingeleitet. Mit dem Tod Herbert Crams 1967 endete eine Ära.
Personen

Angelika Königseder Geboren 1966; 1991–2010 in verschiedenen Projekten am Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin; 2011–19 freiberuflich als Historikerin, Lektorin und Kuratorin von Ausstellungen zur NS-Zeit; seit 2020 Forschungs- und Projektkoordinatorin des Arthur Langerman Archivs für die Erforschung des visuellen Antisemitismus am Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin.

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