Ius Reformandi 978-3-16-147665-5 - Mohr Siebeck
Theologie

Bernd Ch. Schneider

Ius Reformandi

Die Entwicklung eines Staatskirchenrechts von seinen Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches

2001. XXII, 586 Seiten.

Jus Ecclesiasticum 68

79,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Leinen
ISBN 978-3-16-147665-5
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Bernd Christian Schneider zeichnet in einem weitgespannten und dennoch tiefgreifenden Überblick die Entwicklung des ius reformandi von seinen Wurzeln im Spätmittelalter bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 nach. Er zeigt, wie im Wechselspiel zwischen Theologie, Jurisprudenz und Politik das heutige Recht, verschiedenen Konfessionen und Religionen unterschiedliche Rechtsformen im Staat zu gewähren, entstanden ist.
Das ius reformandi ist das Recht der weltlichen Obrigkeit, die Religionsverhältnisse im Staate zu regeln. Da es im heutigen deutschen Recht fortlebt als das Recht des Staates, Religionsgemeinschaften zu Körperschaften des öffentlichen Rechts zu erheben, ist seine historische Entwicklung auch für heutige Auslegungsfragen von Bedeutung. Das ius reformandi hat keine direkten Wurzeln im mittelalterlichen 'landesherrlichen Kirchenregiment'. Es bildete sich vielmehr im Wechselspiel von Theologie, theoretischer Jurisprudenz und Rechtspolitik in drei großen Phasen heraus: Zunächst formte es sich im Streit um die Berechtigung der Reformation zwischen 1521 und 1555. Es war ein doppelgesichtiges Recht von Religionsfreiheit und Religionsbann, wobei die Religionsfreiheit der Reichsstände am weitesten ging, der Religionsbann aber die Untertanen am härtesten traf. Dies wurde nur durch das Auswanderungsrecht als erstes verbrieftes Individualgrundrecht gemildert. Sodann festigte es sich als Religionseinführungsrecht der Obrigkeit zwischen 1555 und 1648, wozu das Schlagwort 'cuius regio, eius religio' verbreitet wurde, obwohl in vielen Territorien dieses wichtigste ius circa sacra von den Landständen eingeschränkt werden konnte. Von 1648 bis 1806 mußten Juristen beider Konfessionsparteien das ius reformandi neutralisiert uminterpretieren in das Recht der Obrigkeit, den Religionsgemeinschaften einen ihnen angemessenen und dem Staate nützlichen Status zuzuerkennen. Bernd Christian Schneider gibt zwischen 'Präludium' (zum Spätmittelalter) und 'Postludium' einen weitgespannten und doch tiefgreifenden, alle wichtigen Quellen berücksichtigenden historischen Überblick über die Entwicklung des wichtigsten Staatskirchenrechts im Heiligen Römischen Reich.
Personen

Bernd Ch. Schneider Geboren 1965; 1986–95 Studium der Evangelischen Theologie, der Lateinischen Philologie und der Rechtswissenschaften; 1992–95 Wiss. Mitarbeiter an der Universität Tübingen; 1995–98 Vikariat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg; 1998 Zweites theol. Examen, Ordination; seit 1998 Wiss. Assistent an der Universität Tübingen; 2000 Promotion (Dr. theol.).

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Zeitschr.f.Histor.Forschung — Bd.30 (2003), H.4, S.669ff (Adolf Laufs)
In: Zeitschr.f.Neuere Rechtsgeschichte — Jg.25 (2003), H.3/4, S. 301f (Christoph A. Stumpf)
In: Zeitschr.d.Savigny-Stiftung K — Bd.123 (2006), S.732ff (Axel Gotthard)
In: H-Judaic Book Reviews — www.h-net.org/reviews/ (Mary Noll Venables)
In: Nederlands Dagblad — 18.Mai 2002, S. 7 (Prof.H.J. Selderhuis)
In: Archiv für Reformationsgeschichte — Jg.32 (2003), S.88f
In: FAZ – Redaktion NSB — 8.Juni 2002, Nr.130, S. 52 (Thomas Kaufmann)
In: Juristenzeitung — Jg.58 (2003), H.5, S. 251 (Prof.Werner Heun)