Wie wurde der moderne Menschenrechtsgedanke in Ostasien aufgenommen und konzipiert? Beispielhaft werden hier die Probleme der menschenrechtlichen Praxis in Ostasien diskutiert.
Die Idee der Universalität der Menschenrechte wird immer wieder in Frage gestellt durch die Denktraditionen im ostasiatischen Kulturraum. Die Autoren betrachten systematisch die Rezeption und Konzeptualisierung des modernen Menschenrechtsgedankens und konkrete Probleme der menschenrechtlichen Praxis in China, Japan und Korea. Gleichzeitig hinterfragen sie die Partikularität des ostasiatischen Umgangs mit den Menschenrechten hinsichtlich diskursiver Vermittlungsmöglichkeiten mit dem 'westlichen Menschenrechtsverständnis'. Sie beschäftigen sich außerdem mit den unterschiedlichen Ansätzen des interkulturellen Dialogs mit Ostasien und den Grenzen ihrer argumentativen und praktischen Reichweite. Die Autoren decken die philosophie- und ideengeschichtlichen Grundlagen des ostasiatischen Zugriffs auf die Menschenrechte auf und ordnen ihn in das Spannungsverhältnis von kultureller Selbstbehauptung, wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Interessenwahrung ein.
Inhaltsübersicht:
Gunter Schubert: Einleitung -
Gunter Schubert: Zwischen Kant und Konfuzius -
Wolfgang Heinz: Vom Mythos der 'Asiatischen Werte'
China Hans-Georg Möller: Menschenrechte, Missionare, Menzius. Überlegungen angesichts der Frage nach der Kompatibilität von Konfuzianismus und Menschenrechten -
Gregor Paul: Menschenrechtsrelevante Traditionskritik in der Geschichte der Philosophie in China. Philosophische Überlegungen -
Harro v. Senger: Versuch einer Darstellung der offiziellen Position der VR China zur Menschenrechtsfrage -
Ding Ding: Die chinesische Exilopposition und die Menschenrechtsfrage -
Susanne Weigelin-Schwiedrzik: Menschenrechte und Demokratie. Universalität und Partikularität des Diskurses in Hongkong -
Robert Heuser: Auf dem Wege zur Herrschaft des Rechts? Menschenrechtliche Aspekte der Reform des chinesischen Rechtssystems in der Ära Deng Xiaoping (1979-1997) -
Hans-Christoph Rieger: Freie Meinung und freie Meinungsäußerung in einem autoritären Staat. Das Beispiel Singapur
Japan Wolfgang Seifert: Westliches Menschenrechtsdenken in Japan. Zur Rezeption einer 'ausländischen Idee' zwischen 1860 und 1890 -
Akira Takenaka: Gibt es 'japanische' Menschenrechte? Eine rechtssoziologische Untersuchung der Menschenrechtsauffassung in der japanischen Diskussion seit 1945 -
Martin Kaneko: Staatsbürgerschaft versus Menschenrechte. Die Entschädigungsfrage in Japan -
Manfred Pohl: Die japanische Entwicklungshilfe. Sicherheitspolitisches Instrument zwischen Schutz der Menschenrechte und Exportförderung
Korea Werner Sasse: Menschenrechte in Korea. Kultur- und ideengeschichtliche Anknüpfungspunkte -
Mark B. Suh: Politische Hemmnisse für die Fortentwicklung der Rechtskultur und für die Durchsetzung der Menschenrechte in Süd-Korea -
Roland Wein: Menschenrechte in der Republik Korea. Die Funktion der Arbeitsgesetzgebung