Textkritik und Textgeschichte 978-3-16-150966-7 - Mohr Siebeck
Theologie

Eberhard Bons

Textkritik und Textgeschichte

Studien zur Septuaginta und zum hebräischen Alten Testament

2014. XI, 262 Seiten.

Forschungen zum Alten Testament 93

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ISBN 978-3-16-150966-7
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Das Alte Testament ist auch in einer weniger bekannten antiken Übersetzung in griechischer Sprache, der sogenannten Septuaginta, erhalten. Diese weist vielfältige Unterschiede im Vergleich zum hebräischen Text auf, die Rückschlüsse auf das literarische, kulturelle und theologische Milieu der Übersetzer erlauben. Eberhard Bons zeigt anhand von exemplarischen Beispielen, welche oft überraschenden Neuerungen die Übersetzer vornahmen.
Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. bemerkte schon der anonyme Übersetzer des deuterokanonischen Buches Jesus Sirach die beträchtlichen Unterschiede zwischen den hebräischen Texten von Gesetz, Propheten und anderen Büchern sowie ihrer griechischen Übersetzung, die sich in der sogenannten Septuaginta erhalten hat. Eine derartige non parva differentia stellte er auch beim Vergleich seiner griechischen Version und ihrem hebräischen Ausgangstext fest. Die Unterschiede zwischen hebräischem und griechischem Bibeltext waren den Auslegern und Übersetzern über Jahrhunderte bekannt. Viele von ihnen, so etwa Hieronymus, verbanden mit dieser Feststellung abwertende Urteile über die Zuverlässigkeit der Septuaginta. Spätestens seit der Zeit des Humanismus griffen christliche Ausleger aber immer wieder auf den griechischen Bibeltext zurück, wenn der hebräische sich als schwierig oder gar rätselhaft erwies, und suchten diesen wenigstens punktuell mit Hilfe der griechischen Textvarianten zu verbessern. In den letzten ca. 30 Jahren ist die textkritische Forschung am Bibeltext mehr und mehr von diesem Verfahren abgerückt. Der Text der Septuaginta wird vielmehr in seiner ganzen Vielfalt und Entwicklung als ein Zeuge der Textgeschichte des Alten Testaments angesehen, der eine eigene Betrachtung verdient. Die im vorliegenden Band gesammelten Artikel greifen diese Fragestellung auf. Anhand ausgewählter Beispiele vor allem aus den Psalmen sowie den Prophetenbüchern wird herausgearbeitet, dass die Übersetzer den Sinn ihrer hebräischen Ausgangstexte einerseits zu bewahren versuchten, andererseits aber auch neue inhaltliche Akzente setzten. Dabei ist ein Einfluss zeitgenössischer Theologie oft unverkennbar. Und dennoch ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Septuaginta stellenweise einen ursprünglicheren Bibeltext bewahrt als die Hebräische Bibel.
Personen

Eberhard Bons Geboren 1958; 1988 Dr. phil.; 1993 Dr. theol.; 2000 Habilitation; seit 2004 Professor für Altes Testament an der Universität Straßburg.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Zeitschr. f. d. Alttestamentl. Wissenschaft — 127 (2015), S. 138–139 (M. Rösel)
In: Revue Théologique de Louvain — 47 (2016), S. 253 (Pierre-Maurice Bogaert)
In: Old Testament Abstracts — 38 (2015), S. 494–495 (C.T.B.)
In: Fachbuchkritik.de — http://www.fachbuchkritik.de/html/textkritik_und_textgeschichte.html (11/2014)
In: Theologische Literaturzeitung — 142 (2017), S. 345–347 (Siegfried Kreuzer)
In: Theologische Revue — 112 (2016), S. 28–30 (Christine Treu)