Religionswissenschaft

Adam B. Seligman / Linda Woodhead

Über die Herausforderung der Verschiedenheit und die neue Wertereligion

Herausgegeben von Birgit Weyel unter Mitarbeit von Florian Zacher
Übers. v. Daniel Schumann

2024. 198 Seiten.

Lucas-Preis 2020

34,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Festeinband
ISBN 978-3-16-163528-1
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Adam B. Seligman stellt dar, wie Gefühle der Verschiedenheit und Gruppenzugehörigkeit sozial konstruiert werden und welche Herausforderungen darin für ein tolerantes Miteinander verschiedener Gruppen entstehen. Linda Woodhead zeigt, dass Werte in den westlichen Gesellschaften allmählich klassische Funktionen der Religion übernommen haben. Sie zeichnet die historischen Ursprünge dieser Entwicklung nach und leuchtet aus, welche Konsequenzen dies für die Werthaltungen und für Religion und Kirche hat.
In ihren Festreden anlässlich der Verleihung des Dr. Leopold Lucas-Preises des Jahres 2020 stellen Adam B. Seligman und Linda Woodhead ihre unterschiedlichen Ansätze zum Zusammenhang von Religion und Gesellschaft prägnant und anschaulich dar. Seligman zeichnet aus sozialpsychologischer Perspektive nach, wie das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe konstruiert und erlernt wird. Da gesellschaftlich geformte Kategorien die Selbst- und Weltwahrnehmung prägen, fordert die Begegnung mit Angehörigen anderer Gruppen immer auch die eigene Selbstwahrnehmung heraus und kann Unbehagen auslösen. Er problematisiert verschiedene gängige Strategien, dieses durch Differenzerfahrung ausgelöste Unbehagen aufzulösen und plädiert schließlich dafür, dass Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften in einer religiös pluralistischen Gesellschaft dazu bereit sein müssen, dieses Unbehagen auszuhalten und sich eines Urteils über die Weltsicht der anderen zu enthalten.
Linda Woodhead befasst sich in ihrer Rede mit dem Bedeutungsverlust christlicher Religion in den liberalen Demokratien des Westens. Dieser Bedeutungsverlust ist nach ihren soziologischen Forschungen nicht gleichzusetzen mit einem Ende der Religion, vielmehr übernehmen moralische Werte Funktionen der Religion. Diese Religion der Werte zeichnet sich durch einen Fokus auf Selbstverwirklichung aus, während altruistische Wertvorstellungen parallel zum Christentum an Bedeutung verlieren. Die historischen Wurzeln für diese Entwicklung sieht Woodhead in einer zunehmenden Moralisierung des Christentums, die Religion stark oder ausschließlich über Werte definiert. In der Folge absorbieren Wertüberzeugungen Funktionen der Religion, prägen das Identitätsgefühl und Wahrnehmungen der Zusammengehörigkeit und Differenz. Dagegen können viele spirituelle Bedürfnisse weder von den moralisierten Religionen noch von der neuen Wertereligion erfüllt werden. Dadurch lässt sich das (Wieder-)Auftauchen vieler spiritueller und magischer Praktiken erklären.
Personen

Adam B. Seligman Geboren 1954; 1977 BA History/Social Theory, State University of New York; 1980 MA Cultural Studies, University of Birmingham, England; 1988 PhD Sociology and Social Anthropology, The Hebrew University of Jerusalem; Professor am Department of Religion, Boston University; Gründungsdirektor des Instituts CEDAR (Communities Engaging with Difference and Religion).

Linda Woodhead Geboren 1964; 1985 Double First Class Honours in Theology and Religious Studies, Cambridge; 1989 MA, ebenda; 2006–21 Professor of Sociology of Religion in the Department of Politics, Philosophy and Religion, Lancaster University; F.D. Maurice Professor in Moral and Social Theology, King's College London.

Birgit Weyel Geboren 1964; Professorin für Praktische Theologie und Dekanin der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Tübingen.
https://orcid.org/0000-0002-4817-0653

Florian Zacher Geboren 1989; Studium der Ev. Theologie und Latinistik in Erlangen; 2021 Promotion in der Ev. Theologie in Erlangen; Fakultätsassistent an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Tübingen.

Daniel Schumann Geboren 1982; Studium der Ev. Theologie in Jena und Leipzig; 2018 Promotion an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Neuen Testament an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Matthew Chaldekas Geboren 1985; Studium der Anglistik und Klassischen Altertumswissenschaften an der Michigan State University und Tulane University; 2017 Promotion in Klassischen Altertumswissenschaften an der University of Southern California; Wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1391 »Andere Ästhetik« in der Gräzistik in Tübingen.

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