Zeichen und Gewißheit 978-3-16-149847-3 - Mohr Siebeck
Theologie

Gesche Linde

Zeichen und Gewißheit

Semiotische Entfaltung eines protestantisch-theologischen Begriffs

2013. XVIII, 1133 Seiten.

Religion in Philosophy and Theology 69

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ISBN 978-3-16-149847-3
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Gesche Linde skizziert die theoretische Inanspruchnahme des Zeichenbegriffs für das Gewißheitsproblem von der Antike bis hin zu Luther und rekonstruiert schließlich das zehntrichomische Zeichenklassifikationssystem des späten Peirce, das es erlaubt, alle Bewußtseinsprozesse, als grundsätzlich identisch strukturierte Prozesse der Interpretation von Zeichen aufzufassen.
Vergewisserungsprozesse, auch die des christlichen Glaubens, sind Zeicheninterpretationsprozesse. Die theologischen Entwürfe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts versuchen die Glaubensgewißheit auf der Grundlage des Erfahrungsbegriffs zu begründen oder zu rechtfertigen und sind daher mit Schwierigkeiten belastet. Gesche Linde schlägt vor, den Erfahrungsbegriff durch den Begriff der Interpretation und damit den des Zeichens zu ersetzen. Der Umstand, daß das Zeichen für die Theoriebildung insgesamt keine größere Rolle gespielt hat, führt sie auf den Einfluß Augustins zurück, der den Erkenntnisprozeß von der Vermittlungsleistung des Zeichens abkoppelt. Sie liest Martin Luther als einen Autor, der unter humanistischem Einfluß die Gewißheitsfrage wieder neu mit dem Begriff des Zeichens verbindet: Vergewisserung ist ein trinitarisch bestimmter Prozeß, der auf Zeichen zurückgreift. Schließlich führt die Autorin den integrativen Zeichenbegriff des späten Peirce ein und rekonstruiert zu diesem Zweck erstmals dessen zehntrichotomisches Klassifikationssystem, auf dessen Grundlage sich alle denkbaren Formen von Bewußtseinsprozessen beschreiben und auf ihre logischen Voraussetzungen hin explizieren lassen sollen, von der Manifestation vorbegrifflicher Gefühlsqualitäten über Handlungen bis hin zu Denk- bzw. Sprachprozessen. Auf diese Weise läßt sich die christliche Gewißheitsbildung schließlich in einem Kontext von Gewißheitsbildung überhaupt ansiedeln, sich als vielschichtiges Phänomen unterschiedlicher Interpretantenformen verstehen und sich als Ergebnis logisch valider Interpretationsprozesse analysieren, ohne daß die Einsicht in diese seine eigene Strukturbedingung den christlichen Glauben zur Relativierung seines Wahrheitsanspruches nötigen oder ihn seines Gewißheitscharakters berauben würde.
Personen

Gesche Linde Geboren 1965; Studium der ev. Theologie in Mainz und Tübingen; Promotionsstipendium der EKHN; 1995/96 DAAD-Forschungsaufenthalt am Peirce Edition Project (Indianapolis/USA); 1997–1999 Mitarbeit in der Redaktion der RGG4, im Verlag Mohr Siebeck; seit 1999 Wiss. Mitarbeiterin am FB Ev. Theologie der Goethe-Universität Frankfurt; 2006–2008 Vertretungsprofessorin für Systematische Theologie und Religionsphilosophie in Frankfurt.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Theologische Literaturzeitung — 140 (2015), S. 976–979 (Thomas D. Micklich)
In: Archiv f. ReformationsG -Literaturbericht- — 42 (2013), 34 (Markus Wriedt)
In: Theologische Revue — 113 (2017), S. 91–112 (Markus Wriedt)