Florian Eichel
Der »funktionsarme Aufenthalt« und die internationale Zuständigkeit für Erbscheinverfahren
Rubrik: Aufsätze
Publiziert 20.01.2021
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Die Europäische Erbrechtsverordnung hat die gerichtliche Zuständigkeit für eine Erbsache, die mehrere Staaten berührt, in einem Mitgliedstaat konzentriert, um ineffiziente Parallelverfahren zu unterbinden. Nachdem der EuGH in der Rs. Oberle (C-20/17) entschieden hat, dass diese Zuständigkeit auch für Erbscheinverfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit gilt, wurde kritisiert, das europäische Recht sei bürgerfern. Das richtet sich an Fälle, in denen Erblasser erst spät im Leben in einen anderen Staat verzogen sind, sodass Erbscheinverfahren dort durchzuführen wären, selbst wenn sich die Erben und der Großteil des Vermögens in einem anderen Mitgliedstaat befinden. Der Beitrag zeigt auf, dass eine flexible Bestimmung des gewöhnlichen Aufenthalts kein Lösungsweg ist, aber die EuErbVO Raum für Ausweichzuständigkeiten lässt. Das gilt besonders für unstreitige Erbfälle, die trotz Auslandsbezugs einfach gelagert sind. Sie standen außerhalb des Fokus des Gesetzgebers, sind aber besonders auf eine bürgernahe Justiz angewiesen. Dieser Fälle hat sich der EuGH erst jüngst in den Rs. WB (C-658/17) und EE (C-80/19) angenommen und dabei weitere Spielräume für eine bürgernahe Abwicklung internationaler Erbsachen aufgezeigt.\n----------\nInternational Jurisdiction in Simple Succession Cases with an "Habitual Residence of Minor Significance”. – In order to prevent inefficient parallel proceedings in international succession cases, the EU Succession Regulation concentrates jurisdiction in a single Member State. In the Oberle case (C-20/17), the ECJ decided that this jurisdiction also extends to non-contentious proceedings regarding the issuance of certificates of succession. In cases in which the deceased had moved abroad late in life, this could lead to a "remote justice”, as the certificate of succession would have to be issued there, even when the heirs and the assets are located in another Member State. This concerns in particular non-contentious succession cases which are of a simple nature, but such cases were not in the focus of lawmakers. The article shows that the Succession Regulation crafts solutions so as to avoid "artificial jurisdictions”. Whereas a flexible determination of the habitual residence is not a viable solution, there is room to allow proceedings in the Member State whose law is applicable by way of exception and thus to establish jurisdiction in that state. In the cases WB (C-658/17) and EE (C-80/19), the ECJ has shown another way of dealing with these cases and thereby enabling a citizen-friendly way of treating international succession cases.