Dezentrale (autonome) Organisationen - 10.1628/acp-2021-0023 - Mohr Siebeck
Rechtswissenschaft

Sophia Schwemmer

Dezentrale (autonome) Organisationen

Jahrgang 221 () / Heft 4, S. 555-595 (41)
Publiziert 06.08.2021

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Die Blockchain-Technologie basiert auf dem Prinzip der Dezentralisierung. Dieses Grundprinzip strukturiert nicht nur die technologische Ebene der Speicherung von Information. Es strukturiert vielmehr auch die verbandsrechtliche Organisation blockchainbasierter Unternehmen und Projekte. So diskutiert die Blockchain-Szene seit einigen Jahren das Konzept der sog. Decentralized Autonomous Organization (»DAO«) bzw. der Decentralized Organisation (»DO«). Dabei geht es im Kern darum, die Verwaltung von (Plattform-)Projekten auf der Blockchain oder von Vermögensgegenständen in einem dezentralen Netzwerk zu organisieren. Die Mitglieder einer dezentralen Organisation sollen sich mittels auf der Blockchain gespeicherter Softwareprotokolle koordinieren und sie so unmittelbar selbst verwalten. In einer dezentralen autonomen Organisation übernimmt demgegenüber eine autonom agierende künstliche Intelligenz zumindest Teile der Leitungsfunktion. Ein zentrales, hierarchisch strukturiertes Management soll in beiden Fällen überflüssig sein. So sollen die agency costs tradierter Gesellschaftsformen umgangen werden und Unternehmen dynamischer und effizienter werden. Damit greift das Konzept der dezentralen Organisation einen Trend aus der Managementlehre auf. Nicht nur in Startups werden zunehmend Entscheidungen in Teams ohne Hierarchien erarbeitet. Die Verbandsformen des Handelsrechts gehen aber von hierarchischen Strukturen aus, wenn sie Leitungsorganen zentrale Verantwortung und Haftung zuweisen. Dezentrale Organisationen sollen nun heterarchische Unternehmensphilosophien in der Organisationsverfassung des Verbands abbilden.
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