Rechtswissenschaft

Amélie Heldt

Intensivere Drittwirkung

Die mittelbare Drittwirkung der Meinungsfreiheit in Öffentlichkeiten der digitalen Gesellschaft. Eine verfassungsrechtliche, rechtsvergleichende und interdisziplinäre Analyse

2023. XXI, 300 Seiten.

Internet und Gesellschaft 30

84,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-161938-0
lieferbar
Sind Informationsintermediäre wie soziale Netzwerke an die Meinungsfreiheit gebunden, wenn sie Beiträge und Kommentare von Nutzern moderieren – beziehungsweise: sollten sie es sein? Amélie Heldt befürwortet auf der Grundlage einer verfassungsrechtlichen, rechtsvergleichenden und interdisziplinären Analyse eine intensivere Drittwirkung der Meinungsfreiheit.
Digitale Diskursräume sind aus dem Alltag vieler nicht mehr wegzudenken. Diese Räume werden von Informationsintermediären organisiert und moderiert. Die Moderation nutzergenerierter Inhalte geht mit wichtigen, grundrechtssensiblen Entscheidungen einher. Insbesondere die Realisierung der Meinungsfreiheit steht dabei im Fokus. Aus verfassungsrechtlicher Perspektive stellt sich daher die zentrale Frage nach der Reichweite einer Grundrechtsbindung privater Akteure. Traditionellerweise wird auf die seit jeher kontrovers diskutierte Lehre der mittelbaren Drittwirkung von Grundrechten Bezug genommen. Amélie Heldt widmet sich den Rahmenbedingungen der Kommunikation in digitalen Öffentlichkeiten, untersucht aus verfassungsrechtlicher, rechtsvergleichender und interdisziplinärer Perspektive den Prozess der Inhaltemoderation und schlägt eine Feinjustierung der Lehre der mittelbaren Drittwirkung vor.
Inhaltsübersicht
Einleitung
A. Einführung in das Thema
B. Fragestellung und Gang der Untersuchung

Teil 1: Theoretischer Teil
Kap. 1. Die Lehre der mittelbaren Drittwirkung
A. Die Genese der mittelbaren Drittwirkung in der Rechtsprechung
B. Jüngere Entwicklung der Rechtsprechung des BVerfG
C. Die Meinungsfreiheit und ihre Ausstrahlungswirkung
D. Bewertung und Zwischenergebnis

Kap. 2. Die mittelbare Drittwirkung im Rechtsvergleich
A. Einleitung: Die USA als Vergleichsland
B. Funktionales Äquivalent: Die state action doctrine
C. Intermediäre als neue Akteure in der Free Speech Infrastruktur

Kap. 3. Meinungsfreiheit als Teilnahme am kommunikativen Geschehen – Erkenntnisgewinn durch Interdisziplinarität
A. Einleitung: Das Leitbild des öffentlichen Forums 
B. Öffentlichkeitstheorien
C. Öffentlichkeit und Kommunikation im Internet
D. Zwischenergebnis aus theoretischer Perspektive

Teil 2: Anwendungsbezogener Teil

Kap. 4. Soziale Netzwerke und die Kontrolle über digitale Kommunikation
A. Untersuchungsobjekt: soziale Netzwerke
B. Teilöffentlichkeiten innerhalb sozialer Netzwerke
C. Soziale Netzwerke im Grundrechtsgefüge
D. Fazit

Kap. 5. Inhaltemoderation und die intensivere Drittwirkung 
A. Sachverhalt: Inhaltemoderation auf sozialen Netzwerken
B. Rechtliche Bewertung
C. Fazit

Zusammenfassung
A. Kapitel 1: Die Lehre der mittelbaren Drittwirkung
B. Kapitel 2: Die mittelbare Drittwirkung im Rechtsvergleich
C. Kapitel 3: Meinungsfreiheit als Teilnahme am kommunikativen Geschehen – Erkenntnisgewinn durch Interdisziplinarität
D. Kapitel 4: Soziale Netzwerke und die Kontrolle über digitale Kommunikation
E. Kapitel 5: Inhaltemoderation und intensivere Drittwirkung

Ausblick
A. Wiederherstellung entfernter Nutzerinhalte 
B. Schutz für Daten und automatisierte Kommunikation
C. Automatisierung der Inhaltemoderation
D. Verlagerung öffentlicher Kommunikation
E. Privatisierte Anwendung der intensiveren Drittwirkung
F. Intensivere Drittwirkung im globalen Kontext

English Summary
A. Research Question
B. Findings
C. A more intensive horizontal effect: Main features
D. Outlook

Literaturverzeichnis
Personen

Amélie Heldt Geboren 1989; Studium der Rechtswissenschaften in Paris, Potsdam und Hamburg (Promotion); Design-Thinking-Studium in Potsdam; Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut; Assoziierte Forscherin am Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft; Fellowships an der University of Haifa, Yale Law School, Weizenbaum-Institut; Referentin für Grundsatzfragen der Digitalpolitik im Bundeskanzleramt.
https://orcid.org/0000-0002-1910-9925

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