Geschichtswissenschaft

Lisa Eiling

Primat der Praxis

Bernhard Harms und das Institut für Weltwirtschaft 1913–1933

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ISBN 978-3-16-162124-6
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Der Wissenschaftsunternehmer Bernhard Harms konnte mit Hilfe der Finanzierung durch die Rüstungswirtschaft im Ersten Weltkrieg das bis heute renommierte Institut für Weltwirtschaft aufbauen und international etablieren. Dabei half ihm, wie Lisa Eiling zeigt, sein imperialistisches Weltbild und ein spezifischer heroischer Männlichkeitsentwurf.
Lisa Eiling beschreibt den Aufstieg des Wissenschaftsunternehmers Bernhard Harms im Ersten Weltkrieg und untersucht die Bedingungen für seine erfolgreiche Karriere als Wirtschaftsexperte in der Weimarer Republik. Obwohl Bernhard Harms als Ökonom wenig wissenschaftliche Reputation genoss, konnte er das privat finanzierte Institut für Weltwirtschaft als erstes Zentrum wirtschaftswissenschaftlicher Großforschung in Deutschland aufbauen und international etablieren. Um diese widersprüchliche Karriere zu erklären, nimmt die Autorin die Selbstkonstruktion des Wissenschaftsunternehmers als Mann der Tat in den Blick. Sie argumentiert, dass insbesondere sein imperialistisches Weltbild, sein praxisorientiertes Wissenschaftsverständnis und ein spezifischer Männlichkeitsentwurf viele Unternehmer von einer Förderung des Instituts für Weltwirtschaft überzeugten.
Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Theorie 1902–1912
1. Versöhnung von Arbeit und Kapital: Deutsche Arbeit
2. Gespaltene Moderne: Antisemitismus und Misogynie
Exkurs I: (sexuelle) Neurasthenie
3. »Hier unten gibt es noch mancherlei zu 'teilen'.« – Imperialismus
Exkurs II: Tropen
4. »Keine Kulis, sondern Männer!« – »Arbeiterfragen« in den Kolonien
5. »Schaffung und Erhaltung von Absatzgebieten« – Weltwirtschaftspolitik
6. Versuch der Begründung einer Weltwirtschaftslehre
7. Männer der Tat: Arbeiter, Führer, Unternehmer – Subjektivierungen
Zwischenbetrachtung

III. Praxis 1913–1933
A) Zukunft 1913–1920
1. Kriegserfahrung als »volkswirtschaftlicher Beobachter« des Ostfeldzugs 1914
2. Die Geburt des Wissenschaftsunternehmers aus dem Geist des ersten Weltkriegs
3. Expansion des Wissenschaftsunternehmens mithilfe der Rüstungswirtschaft
4. »Es wechseln die Führer.« – Der unternehmerische Imperativ
5. Mit Kant oder Hegel gegen Marx? – Das Institut als Unternehmen oder Organisation?
6. Schicksalsstunde der Nationalökonomie? – Streit über »kapitalistische Reklame«
7. Das neue Haus an der Förde 2
Zwischenbetrachtung
B) Krisen 1920–1923
1. Die Kieler Sondertagung des Vereins für Sozialpolitik 1920
2. Der Staat als letzte Hoffnung: Die Inflationskrise 1920–1923
3. Die Krisis der Weltwirtschaft und die Ökonomisierung der Sozialpolitik 1922
Zwischenbetrachtung
C) Strukturwandlungen 1923–1933
1. »Germany first!« – Bernhard Harms in Amerika 1923
2. »Die Sonne scheint wieder!« – Stabilisierung 1924–1925
3. Transatlantische »Nothilfen« – Förderung durch die Rockefeller Foundation
4. Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 1926
5. Innovative Konjunkturforschung am IfW
6. Gescheiterte Gelehrtenpolitik: Die Wirtschafts-Enquete
7. Gelungene Gelehrtenpolitik: Die Vereinigung für Staatswissenschaftliche Fortbildung
8. Die Reparationskonferenzen der Friedrich List-Gesellschaft 1928
9. Rückbesinnung auf das politische Führertum und Rückzug ins Private
Zwischenbetrachtung

IV. Neue Zeiten – Neue Männer 1933–1935
1. Unter Männern – Epilog
Personen

Lisa Eiling Geboren 1986; Studium der Geschichte und Klassischen Philologie in Münster, Bochum und Gießen; Mitarbeiterin der Leibniz-Preis Arbeitsgruppe 'Geschichte und Theorie des globalen Kapitalismus' bei Friedrich Lenger an der Universität Gießen; freiberufliche Historikerin in Berlin und Frankfurt am Main.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: H-Soz-u-Kult — http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-135239 (Laetita Lenel)