Selbststigmatisierung und Charisma christlicher Heiliger der Spätantike 978-3-16-149114-6 - Mohr Siebeck
Theologie

Götz Hartmann

Selbststigmatisierung und Charisma christlicher Heiliger der Spätantike

49,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.
fadengeheftete Broschur
ISBN 978-3-16-149114-6
lieferbar
Auch verfügbar als:
Götz Hartmann interpretiert den Lebensstil christlicher Asketen der Spätantike als freiwillige Identifikation mit sozialen Stigmata ('Selbststigmatisierung') und den Ruf vieler Asketen, 'Heilige' zu sein und Wunder tun zu können, als spezifisch christliche Spielart charismatischer Autorität. Er arbeitet heraus, in welcher Weise die autostigmativen Voraussetzungen und die 'thaumaturgischen' Wirkmöglichkeiten des Asketencharismas einander entsprachen.
Götz Hartmann untersucht christliche Asketen der Spätantike, die bereits zu Lebzeiten als 'Heilige' galten. Nach der Überzeugung ihrer Zeitgenossen hatten sie durch selbst auferlegte Entbehrungen und Leiden die Gabe erworben, Wunder zu tun, konnten also mit der Zustimmung Gottes Ereignisse eintreten lassen, die den gewohnten Ablauf der Dinge in spektakulärer, unerforschlich scheinender Weise durchbrachen. Eine Autorität, wie sie die zeitgenössischen Quellen als typisch für die heiligen Asketen der Spätantike schildern, wird in den Sozialwissenschaften seit Max Weber als 'Charisma' bestimmt. In Weiterführung der Weberschen Ansätze ist die soziologische Charismaforschung vor allem in den letzten drei Jahrzehnten zu einer Reihe bemerkenswerter Einsichten gelangt. Sie betreffen insbesondere den Zusammenhang zwischen der Entstehung charismatischer Autorität und jenem breiten Spektrum von 'selbststigmatisierenden' Enthaltungs- und Verweigerungshandlungen gegenüber den Werten, Normen und Bindungen einer Gesellschaft, in dem nicht allein der christliche Kulturkreis die Idee des 'Der-Welt-Absterbens' wiedererkennt. In der theoretischen Ausrichtung diesen jüngeren sozialwissenschaftlichen Perspektiven verpflichtet, analysiert der Autor das Phänomen asketisch begründeter Heiligkeit in der Spätantike als spezifisch christliche Spielart charismatischer Autorität. Schwerpunkte sind die wechselseitige Entsprechung von autostigmativen Voraussetzungen und 'thaumaturgischen' Wirkmöglichkeiten des Asketencharismas, die Entstehung von Klöstern auf dem Weg seiner 'Veralltäglichung' und Institutionalisierung, das Zusammenspiel von Charisma und Hagiografie sowie der Rollencharakter asketisch begründeter christlicher Heiligkeit.
Personen

Götz Hartmann Geboren 1970; Studium der Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften in Frankfurt am Main und Bonn; 2005 Promotion; wiss. Mitarbeiter am Seminar für Alte Geschichte der Universität Münster.

Rezensionen

Folgende Rezensionen sind bekannt:

In: Zeitschr.f.Geschichtswissenschaft — 56 (2008), S. 470–472 (Henrike M. Zilling)
In: PV-aktuell (Nachrichten des Pfarrvereins Westf.) — 2007, Nr. 2, S. 12 (Karl-F. Wiggermann)
In: Jahrbuch f.Antike und Christentum — 52 (2009), S. 188–191 (Claudia Rapp)